Hamburg

Schiffer G. Wriede hörte mit seinen Werbesprüchen auf. Er hatte genug Passagiere für eine Hafenrundfahrt und machte die Leinen los. Erwachsene zahlen drei Mark, Kinder einsfünfzig. Wriede ist sein eigener Bootsmann, Maschinist, Festmacher und Kassierer. Zwischen den privaten Barkassenbesitzern und einem staatlichen Betrieb besteht ein harter Konkurrenzkampf.

Wach ist der kleine Wriede, "litzt" dauernd nach Fahrgästen, pflegt seine Kontakte zu Reisebüros und Behörden, beschäftigt sich mit Organisationsfragen und liest jeden Tag zwei Zeitungen; kein Typ der alles besser wissen will, eher einer, der einen plötzlich langweilt, weil er seinen Job immer so ernst nimmt. Vater August gründete das Barkassenschiffergeschäft 1921, Sohn Gunther wurde Schiffselektroinstallateur und fiel nach drei Jahren Seefahrt in den Laderaum des Frachtdampfers "Anneliese Porr". In Körpergips ging es nach Hause. Schließlich war die Rentenfrage geklärt und G. Wriede stieg ins väterliche Geschäft ein.

1963 lief die zweite Barkasse vom Stapel. Sie ist für 108 Personen vermessen, Länge 18 Meter, Breite 5,15 über alles – und kann manchen Stoß vertragen. Rund 100 000 Mark kostete die Barkasse. Barkassen, die der Personenbeförderung dienen, sind konzessioniert und werden alle zwei Jahre einer Kontrolle unterzogen, erstens für den Bereich des Hafens und zweitens, dafür ist ein Schiffszeugnis erforderlich, für die Ober- und Unterelbe.

G. Wriedes Glasdachbarkasse gewinnt Fahrt. Ich kann noch sehen, wie er das Ruder nach backbord dreht und seine ersten Erklärungen durchs Mikrophon gibt. Fünfzehn Barkassen liegen am Uhrturmplatz, Brücke drei an den Landungsbrücken, und jede hat während der Saison von Mai bis Oktober täglich mindestens einen turn. Es ist stets der gleiche, durch Brücken, Schleusen und Kanäle, vorbei an allen möglichen Schiffen und ein paar Werften.

Zwischendurch machen sie Gesellschaftsfahrten und sind für Betriebsausflüge da und Herrentouren. Von den neunzig konzessionierten Barkassen unternehmen zwei Drittel Hafenrundfahrten. Früher waren sie nichts weiter als Wassertaxis, die Schiffshändler und Reeder transportierten, kleine Schleppdienste leisteten, Post zu den Schiffen brachten und Besatzungen an Land und wieder zurückfuhren; sie waren auch Krankenwagen.

Schmuggel lohnt sich schon lange nicht mehr, und die meisten Seeleute sehen gar nicht mehr wie Seeleute aus, und die Mädchen, die mit an Bord gehen, sehen auch häufig nicht mehr so aus, als hätten sie zehn Dollar nötig.