Hamburg

Anti-Kominternbund sucht Freunde“, so las man im Herbst letzten Jahres in der rechtsradikalen Deutschen National-Zeitung. Wolf-Dieter Eckart, Freundsucher und brauner Jungbarde aus Hamburg, hatte mit seinen Anzeigen ungeahnten Erfolg. Stolz verweist heute der 29jährige Hochfrequenz-Ingenieur auf Zuschriften aus fast allen westeuropäischen Ländern. Und die „Weltunion der Nationalsozialisten“, mit Sitz in Washington, jubelt in ihrem Bulletin: in Westdeutschland habe eine Gruppe junger Nationalsozialisten zum erstenmal seit 1945 mit ihrer Arbeit begonnen.

Führer Eckart und seine getreuen Mannen bekennen sich auch unumwunden zur NS-Ideologie. Die Idee mit dem Anti-Kominternbund aber haben sie inzwischen fallengelassen. „Nachdem die Kommunisten ihre DKP gründen durften“, erzürnt sich Eckart, „können wir ja gleich sagen, was wir wollen.“ Und sie wollen allerhand.

Auf einer Februar-Tagung in Berlin, die mit einer Fahrt zum Brandenburger Tor endete, erarbeitete eine sechsköpfige Organisationsgruppe die Satzung für einen „Bund Deutscher Nationalsozialisten (BDNS)“. Paragraph eins: „Der Verein hat den Zweck ... Freundeskreise nationalsozialistischer Deutscher zu bilden, ... den Meinungsaustausch mit Menschen, die sich für den Nationalsozialismus interessieren (zu fördern), ... kommunistischen Zersetzungsbestrebungen auf deutschem Boden zu begegnen, für die Belange der deutschen Nation gemeinsam einzutreten

Die Hamburger Polizei hatte von dem Berliner Treffen Wind bekommen und es vorsorglich ihren Berliner Kollegen gemeldet. Doch von den Berliner Ordnungshütern blieben die enragierten Jungnazis bei ihrer Arbeit unbehelligt. Die Polizei der alten Reichshauptstadt, so vermutet Eckart, blickt eben auf den wahren Feind des Volkes. Und der Feind, davon ist er fest überzeugt, steht links, wo sich das „kommunistische Gesindel“ tummelt.

Das linke ADF-Wahlbündnis (Aktion Demokratischer Fortschritt) geriet über die neue Rechtsaußengruppierung in helle Aufregung und bemängelte, es sei nicht bekannt, ob die Behörden gegen diese Symptome der Rechtsentwicklung in unserem Staat vorgingen. Die Hamburger Kripo aber hatte bereits unmittelbar nach der Berliner Tagung in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Verwendung von Propagandamaterial verfassungsfeindlicher Organisationen eingeleitet.

Doch NS-Eckart marschiert unbeirrt an der rechten Wand entlang. Mit siebzehn Jahren bereits stieß er auf nationalsozialistische Ideen. Sie faszinierten ihn sofort. Hilfestellung, so erinnert er sich anerkennend, gab ihm ein Lehrer in der Handelsschule; als dessen gelehriger Schüler war er in Gemeinschaftskunde stets „sehr gut“. Später besuchte er an der Volkshochschule Kurse für neue und jüngste Geschichte. Auch dort stieß er auf einen Dozenten, „der dem Nationalsozialismus sehr zugetan war“. Von der Wehrpflicht wegen seines Ingenieurstudiums befreit, meldete er sich freiwillig zum Luftschutzdienst. Seine Helfertätigkeit quittierte er jedoch 1967. Als Grund hierfür nennt er die moralische Unterstützung Israels durch die Bundesrepublik nach dem Junikrieg. Danach brachte ihm eine Kontaktaufnahme mit dem Bund heimattreuer Jugend ein Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts wegen des Verdachtes der Geheimbündelei ein; in Karlsruhe vermutete man „Wehr“-Wolf Eckart hinter der Aufstellung eines „Freikorps Adolf Hitler“ für die arabischen Staaten. Das Verfahren wurde jedoch im letzten Jahr eingestellt.