Wiesbaden, im April

Nach einem Jahr sorgsamen Hochpäppelns soll Für den Kind der Umwelt vorgestellt werden. Für den kommenden Samstag hat die zwischen schaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der gebeten, union" in Wiesbaden zu einem Festakt gebeten, mit dem sie, nach der Gründung im April 1968, ihre öffentliche Tätigkeit beginnen will. Prominenz aus Politik, Diplomatie und Wirtschaft wird zahlreich zur Stelle sein. Der sowjetische Botschafter Zarapkin und der Parlamentarische Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Gerhard Jahn, gehören zu den Begrüßungsrednern.

Ihre Anwesenheit zeigt, daß die Gesellschaft auch auf Resonanz Wohlwollen rechnen kann. Für ihre Resonanz in der Sowjetunion ist dies unerläßlich, für ihre Arbeit in der Bundesrepublik gewiß nützlich.

Ende letzten Jahres hatte diese Gesellschaft Professor Beloussow, Abteilungsleiter im Moskauer wissenschaftlich-ökonomischen Institut der staatlichen Plankommission, zu eingeladen. über die sowjetische Wirtschaftsreform eingeladen. Die heimliche Sorge, daß es dabei Polemik und Agita-Wo immer könne, erwies sich als unbegründet. Wo immer der sowjetische Gast sprach, machte er durch Fachwissen, Sachlichkeit, Freimut und Offenherzigkeit großen Eindruck.

Dieser Anfangserfolg beflügelte die Pläne der Gesellschaft. In Wiesbaden sollen die nächsten Vorhaben sowjetischen werden, so die Dortmund, tung von sowjetischen Wochen in Dortmund, Frankfurt und Stuttgart, der Austausch von Professoren und Assistenten und die Einrichtung von Ferienseminaren für Studenten. An dem Wiesbadener Festakt wird auch Frau Popowa, die Präsidentin des "Verbandes sowjetischer Gesellschaften für Freundschaft und kulturelle Verbindungen mit dem Ausland", samt einer Delegation aus der sowjetischen Gegenpart, Ihr Verband bildet den sowjetischen Gegenpart, und die deutsche Gesellschaft hat bereits die Zusage, daß zur Verband demnächst eine besondere Sektion zur Pflege der Beziehungen mit der Bundesrepublik erhalten wird.

Auffallend ist das große Interesse, das die Wirtschaft dem Versuch des Brückenschlags wie gegenbringt. Die Kaufleute wissen am besten, wie nützlich es für den Handel ist, wenn er sich in freundlicher Atmosphäre abspielt. Für die den sellschaften hat dieses Interesse nicht zuletzt den Vorteil, daß es die Aussicht auf halbwegs gesicherte Finanzquellen eröffnet. Sie wird vor allem auf Spenden angewiesen sein, zumal sie sich nicht zu einer Massengesellschaft entwickeln, sondern den Mitgliederkreis auf etwa 300 Personen von Rang und Einfluß, die ihrerseits als Multiplikatoren wirken können, begrenzen will. Um staatliche Gelder wird sie sich nicht bemühen.

Solche Zurückhaltung in der Mitglieder- und Finanzpolitik erklärt sich aus der heiklen Gratwanderung, die vor der Gesellschaft liegt. Ihr Präsident, der Frankfurter Strahlenphysiker Professor Rajewski, ebenso Professor Kogon und der Generalsekretär Herbert Mochalski, aus seinen Jahren als streitbarer Darmstädter Studentenpfarrer in Erinnerung, verhehlen sich die Schwierigkeiten nicht. Das deutsch-sowjetische Verhältnis gibt auch privaten Bemühungen zwangsläufig einen politischen Anstrich, und wenn die Gesellschaft ein Forum von Belang sein will, wird sie politische Themen nicht aussparen können. Auf der anderen Seite muß sie jeden Anschein vermeiden, etwa ein Instrument des Auswärtigen Amtes oder der offiziellen deutschen Politik zu sein. Zugleich aber hätte sie ihren Zweck verfehlt, wenn die Kontakte, die sie vermittelt, politisch folgenlos blieben – eine schwierige Balance.