Von Wolfram Siebeck

London, im April

Die Mode – des reichen Mannes schwache Stelle – lenkt ihn durch Ablenkung von der Ablenkung ab." Diese Botschaft Marshall McLuhans finde ich in seinem April-Rundschreiben, das hier auf dem Kamin liegt. Mir fällt jener Bekannte ein (schwarzer Samtanzug; Hemd und handbreite Krawatte vom gleichen Stoff), der mir dringend ans Herz legte, meine Hemden in London nur bei Mr. Fish, Clifford Street, zu kaufen. Hemden von Mr. Fish, erfuhr ich, sind very in.

"Der ultra-englische Savile Row Look ist das Letzte!" bekannte Jackie Crier, 17, TV-Moderedakteurin, dem Observer.

Savile Row, wo der reiche Mann sich bisher durch Ablenkung von der Ablenkung ablenken ließ, ist also out, und nicht nur für Jackie Crier. Auch für Paul McCartney, 26, der alte Pullover und Gummistiefel liebt. Für ihn läßt Douggie Millings in Soho die Nadel sausen..

Kenneth Allsop, 48, war Kunde in der Savile Row. Doch seit er bei Jaeger und bei Harrods ein paar gute Anzüge von der Stange kaufte, denkt er anders. Im Leben eines jeden Mannes gibt es solche Momente, die ihn von Grund auf verändern.

Leonard Lewis weiß mit 30 genau, wie und wo er sich ablenken läßt. Er liebt einfache, runde Schuhe von Browns of Mayfair. Seine Uhr ist von Cartier und seine Silberringe sind von Tiffany’s in New York. Und seine Hemden, ich werd’ verrückt, seine Hemden kauft er unter anderem bei Mr. Fish in Clifford Street!