Vier Jahre verhandelten die drei Partner miteinander, dann waren zwei die Verzögerungstaktik des dritten leid: Die Bundesrepublik und Frankreich beschlossen, den europäischen Airbus allein zu bauen.

Ausgangspunkt war 1965 ironischerweise ein britisch-französisches Projekt für den Bau eines Großraumflugzeugs für Kurz- und Mittelstrecken. Um die Kosten – insgesamt etwa zwei Milliarden Mark – für jeden Partner zu senken, sollte die deutsche Luftfahrtindustrie beteiligt werden.

Um das Projekt zu retten, stimmten Bonn und Paris später der britischen Forderung zu, den Airbus mit britischen Triebwerken (Rolls-Royce RB 207) auszurüsten, die speziell für dieses Flugzeug entwickelt werden sollten.

Das britische Interesse am europäischen Airbus kühlte allerdings merklich ab, nachdem Rolls-Royce sich im März 1968 den größten Exportauftrag der britischen Wirtschaftsgeschichte gesichert hatte. Die Lieferung der Triebwerke RB 211 für den amerikanischen Airbus der Lockheed-Werke.

Während die Europäer verhandelten, handelten die Amerikaner. Sie verwirklichten die in Europa geborene Idee. Lockheed entwickelte die 10–11 und Douglas die DC 10, beides allerdings Flugzeuge, die für amerikanische Verhältnisse ausgelegt und daher größer sind. Beide Typen haben drei Triebwerke und sollen 250 bis 300 Passagiere bis zu 4000 Kilometer weit befördern.

Im Herbst letzten Jahres mußten die Europäer schließlich zurückstecken und auf das Rolls-Royce-Triebwerk RB 207 verzichten. Der Europa-Airbus A/300/B wird mit zwei schwächeren Triebwerken nun statt 250 bis 300 Passagiere nur 200 bis 250 Passagiere über 2000 Kilometer Entfernung befördern. Die Luftfahrtgesellschaften begrüßen das.

Es war dann beinahe das einzige konkrete Ergebnis der deutsch-französischen Konversation Mitte Januar, daß de Gaulle und Kiesinger beschlossen, den Europa-Airbus notfalls auch allein zu bauen und damit nicht mehr länger zu warten. Den deutschen Steuerzahler wird das statt 500 Millionen mindestens 900 Millionen Mark kosten.