Von Heinz-Georg Wolf

In dem kleinen Nebenraum im deutschen Museum in München waren auf dunkelgrün gedecktem Tisch das Modell eines Herzens und Operationsbestecke säuberlich ausgerichtet aufgebaut. Zwei Fernsehteams und ein gutes Dutzend Photo- und Textreporter harrten der Pressekonferenz, die Professor Karl Voßschulte, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Gießen und Präsident der 86. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, anberaumt hatte.

Mit den Journalisten wartete ein drahtiger junger Mann: Dr. Bruno J. Messmer 33, Herzchirurg aus Zürich, der seit zehn Monaten in der Welt größtem und bekanntestem Herzzentrum bei Professor Denton A. Cooley, Houston in .Texas, gastiert. Er hatte gerade einen Vortrag über die Transplantationen im Texas Heärt Institute des Houstoner St. Lukes Hospital gehalten.

Der Präsident kam eine halbe Stunde verspätet mit wehendem Staubmantel: "Meine Herren, wenn Sie etwas wissen wollen, fragen Sie. Aber bitte fragen Sie schnell. Ich muß um Viertel vor sechs im Hotel Conti sein."

Doch zunächst kam niemand zum Fragen. Der Präsident begrüßte den jungen Züricher aus Texas, setzte sich mit ihm an den mit Gipsherz und Instrumenten dekorierten Tisch und begann, von den Journalisten belagert, über Bypass (Herz-Lungen-Maschine) und Perfusionszeit (die Zeit, während der der Kreislauf eines Patienten an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen ist) zu fachsimpeln:

Messmer auf eine Frage Voßschultes: "Cooley macht keine Operation über eine Stunde."

Voßschulte: "Wir brauchen mehr Zeit. Wir brauchen zwei Stunden. Wir haben auch schon länger als zwei Stunden operiert. Was ist Ihre längste Perfusionszeit?"