Sein Urahn ist das Windmühlenflugzeug der zwanziger Jahre, sein kompliziertester Verwandter der Hubschrauber unserer Tage: Gyrocopter, der Mini-Tragschrauber aus dem Baukasten. Der Fahrtwind treibt seinen Rotor, und sorgt für den Auftrieb, ein Motor mit Druckpropeller für die Vorwärtsbewegung. Für den Sportbesessenen, dem die leisere Fliegerei mehr zusagt und die bodennahe genügt, gibt es den motorlosen Gyroglider. Ein Auto kann den Zwitter von Hubschrauber und Segelflugzeug in die unteren Regionen des Luftraums schleppen.

Der Amerikaner Bensen entwickelte den Gyrocopter, nach Europa kam er durch die britische Campbell Aircraft Ltd. In diesem Jahr soll nun auch in der Bundesrepublik für ihn die Zukunft beginnen, sie zu realisieren hat die Gewerkschaft Brunhilde in Uetze bei Hannover übernommen. Ein dornenreicher Weg ungezählter Verhandlungen mit einschlägigen Behörden war zu gehen, um die Fragen der Zulassung und der Pilotenlizenz für das Do-it-yourself-Flugzeug zu klären. Vom Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig erhielt es die Zulassung in der Experimentalklasse, mit welchem Luftfahrerschein es endgültig geflogen werden kann, ist zur Stunde noch nicht geklärt. Vorerst wird derGyrocopter mit demLuftfahrerschein für Privatflugzeugführer geflogen, die Hersteller streben eine Regelung wie beim Motorsegler an.

Sechs Meter mißt der Rotor, 3,50 Meter in der Länge und 1,70 Meter in der Breite. Mit einer Geschwindigkeit bis zu 137 Kilometern in der Stunde darf es sich durch die Lüfte bewegen, bis auf eine Höhe von 3800 Metern kann es steigen. Bei der geringen Landegeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde rollt der Gyrocopter nach dem Aufsetzen nur noch sieben Meter bis zum Stillstand. Ein Motor von 72 oder 90 PS dient als Antrieb des Druckpropellers, die Flugeigenschaften sind ausgesprochen gutmütig.

Auch den Gyrocopter für gehobenere Ansprüche gibt es schon. Die mit Zwillingstank ausgerüstete Version kann sich drei Stunden in der Luft halten. In einer anderen sorgt eine Windschutzverkleidung für mehr Flug- und erhöhen gefederte Haupträder und abbremsbares Bugrad den Landekomfort. Eine Einrichtung, mit der der Rotor vor dem Start in 280 Umdrehungen pro Minute gebracht werden kann, hilft die Startstrecke noch weiter verkürzen.

Die mit Schwimmern ausgerüstete Variante Hydrocopter dürfte in unserem Lande nur theo- – retisches Interesse finden, solange man mit ihm nicht, wie beispielsweise in Schweden, zum Angeln oder Baden fliegen und dabei auf irgendeinem See wassern darf. Vielleicht bestehen für den motorlosen Hydroglider als Sportgerät im Schlepp von Motorbooten bessere Aussichten.

Die Möglichkeiten, zum Gyrocopter oder Gyroglider zu kommen, sind individuell auf jeden Geldbeutel und auf die Größe des Willens zum Mach-es-Selbst abgestimmt. Er kann in Einzelteilen oder als kompletter Bausatz erworben und gebaut aber auch als flugbereites Gerät gekauft werden. Rund 8500 Mark kostet der vollständige Baukasten, für den fertigen Gyrocopter muß der Interessent gut 5000 Mark mehr anlegen.

Der Gyroglider kann entweder von einer Segelflugzeugwinde oder von einem Auto – Kleinwagen genügt – geschleppt werden. Strebt sein Besitzer später doch noch in höhere Regionen, braucht er nur einen Motor mit Propeller einzubauen.