Wenn sich ein internationaler Konzern valutafremd verschuldet, also Anleihen in fremder Währung aufnimmt, ist das eine kaufmännisch vernünftige Geflogenheit. Wenn das Haus Siemens jetzt eine Optionsanleihe über 40 Millionen Dollar zur Finanzierung von Investitionen im Ausland auflegt, ist das an sich noch keine Sensation. Das wird sie erst hinsichtlich des Zeitpunktes.

Während nämlich gegenwärtig ausländische Unternehmen und fremde Staaten sich auf dem Europakapitalmarkt in Mark verschulden, weil das vom Zins her noch einigermaßen günstig ist, versucht Siemens, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Mit 5 1/2 Prozent Nominalzins will das Unternehmen Kapital preiswert an sich ziehen und gleichzeitig das Währungsrisiko, das in der Möglichkeit einer Mark-Aufwertung liegt, von sich abwälzen.

Man wird abwarten müssen, ob für Inländer der gebotene Optionsschein, der das Recht beinhaltet, in den nächsten zehn Jahren Siemens-Aktien zu einem um knapp zehn Prozent über dem heutigen Börsenkurs liegenden Preis zu erwerben, Anreiz genug ist, das Währungsrisiko auf sich zu nehmen, das Siemens nicht tragen will. Für Ausländer sieht die Rechnung anders aus. Sie erhalten für den Verzicht auf den marktüblichen Zins die Chance auf einen Siemens-Kursgewinn. Eine Aufwertung der Mark wäre für sie ohne Nachteile. kw