Bellingen am Oberrhein, 20 Kilometer vor Basel, war ein Dorf von 500 Einwohnern, als eine Erdölbohrung im Jahr 1955 begann, seinen Charakter zu verändern. Mit einem Bad im Holzbottich fing die Geschichte des jüngsten deutschen Thermalbades an. Statt eines öligen Bohrgestänges in in,sumpfiger Rheinniederung entstanden ein Bewegungsbad und ein Kurmittelhaus mit einem Kurpark, der sich in die Landschaft des Oberrheins verliert. Seit 1958, als das erste Thermalwasserbecken benutzt werden konnte, ist die Zahl der jährlichen Übernachtungen von wenig mehr als 5000 auf über 150 000, die Zahl der Betten von 47 auf über 900 gestiegen. Die Kurgäste kommen zumeist aus Norddeutschland und Berlin.

Was lockt sie nach Bellingen – außer dem Thermalwasser, das gut sein soll für Bandscheibe und Rheumatismus, Bewegungsstörungen als Unfallfolgen, Venenentzündung und vegetative Dystonie?

Bellingen ist unbelastet von den Repräsentationsansprüchen alter Bäder. Bellingen ist ein Dorf geblieben, ein ländliches und einigermaßen heiles Gemeinwesen. Der Erfolg hat den Ort und die Landschaft nicht beschädigt. Erst kommen die Rebhänge, durch die man wandern kann. Droben steht auch die Kirche. Dann kommt die Bahnlinie. Und dann der Ort. Eine Ebene tiefer liegt das Bäderviertel mit den flachen Bauten des Kurmittelhauses und des älteren Thermalbades, mit Kurpark und modernen Hotels und Pensionen.

Mehr eine Sommerfrische als ein Bad ist dieses Bellingen. Zu den zwei Quellen, der Markusquelle und der vor fünf Jahren erschlossenen Leodegarquelle, soll noch eine dritte erbohrt werden, und auch der Bau eines Kurhauses steht innerhalb der nächsten zehn Jahre auf dem Programm.

Im vorigen Jahr hat eine Kunsthandwerkerin eine "Hobby-Werkstatt" eingerichtet. Wer immer will, kann sich in verschiedenen Basteleien unterweisen lassen. Emaillieren ist besonders beliebt.

Reiseführer, die ein Bad Bellingen anführen, greifen der Entwicklung voraus. Bellingen ist zwar ein Heilbad, anerkannt vom Fachausschuß für das Bäderwesen, aber die fachliche Prädikatisierung berechtigt ein Heilbad noch nicht, sich Bad zu nennen. Für die Gemeinde Bellingen, in Klammern Heilbad, ist damit zu rechnen, daß sie noch in diesem Jahr Bad wird. Herbert Lazar