Kiel

Die „Nordwoche“, Schleswig-Holsteins Wochenzeitung, erschien am 11. April erstmalig mit 30 000 Exemplaren. Für weitere zwei Jahre wird die Bonner SPD-Führung mit einer Million Mark Starthilfe dafür sorgen, daß das Blatt sich mausert. Wird das Wochenblatt kräftig und flugfähig, will der SPD-Vorstand weitere drei Jahre helfen. Der vom ehemaligen „Lübecker Morgen“ übergewechselte Verlagsleiter Wilhelm Geusendam ist sicher, daß die „Nordwoche“ länger als fünf Jahre erscheinen und „zu einem ständigen Publikationsorgan der SPD in Schleswig-Holstein“ wird.

Es ist sogar möglich, daß das Wochenblatt zwischen Nord- und Ostsee zu einer Art „Bayern-Kurier“ mit Linksorientierung wird, denn Herausgeber ist der kampfentschlossene SPD-Landesvorsitzende Joachim Steffen. Die „Nordwoche“ begann ihr politisches Leben mit der Ankündigung des Chefredakteurs Harald Schneider, „wir werden sämtliche zulässigen Schritte unternehmen, um uns nachdrücklich zur Wehr zu setzen“. Das zielt auf den „Kurier am Mittag“ des NDR, der da geargwöhnt hatte, Bonns SPD-Vorstand könne Deutschlands jüngste Wochenzeitung nach der Bundestagswahl wieder fallen lassen. Schneider: „Das ist völlig erfunden.“

Wofür die neue Wochenzeitung kämpfen will, hat Steffen bereits in der ersten Nummer verdeutlicht: „Diese Zeitung ergreift die Partei des demokratischen Sozialismus. Aber sie ist keine Parteizeitung als Selbstbeweihräucherungsorgan. Wir wollen das kritische freie Denken nicht einengen.“ Und SPD-Vorsitzender Willy Brandt verwies auf die über siebzigjährige Tradition des SPD-nahen „Lübecker Morgen“ und der SPD-nahen „VZ Kieler Morgenzeitung“, die beide ihr Erscheinen einstellten, und meint: „Nun übernimmt die ‚Nordwoche‘ die Fackel, um sie weiterzutragen.“ H. A.