Eine Arbeitsgruppe des amerikanischen National Cancer Institute hat die Todesursachen von 31 658 römisch-katholischen Nonnen untersucht, die zwischen 1900 und 1954 gestorben sind, und dabei festgestellt: Dickdarm-, Brust-, Gebärmutter- und Eierstockkrebs war bei den Ordensschwestern wesentlich häufiger diagnostiziert worden, als nach den für weiße Amerikanerinnen in jenem Zeitraum geltenden Statistiken zu erwarten gewesen wäre.

Gleichzeitig wurde ein früherer Befund bestätigt, nachdem Krebs am Gebärmutterhals bei Nonnen auffallend selten vorkommt; deshalb wird als Ursache für diese Krankheit ein mit dem Geschlechtsverkehr zusammenhängender äußerer Einfluß – möglicherweise ein mit dem männlichen Genital eingebrachtes Virus – angenommen.

Dr. Joseph F. Fraumeni, Dr. William Lloyd, Elizabeth M. Smith und Joseph K. Wagoner, die diese Studie ausgeführt und im Aprilheft des "Journal of the National Cancer Institute" veröffentlicht haben, vermuten, daß die bei den Nonnen vermehrt auftretenden Krebsarten von weiblichen Geschlechtshormonen beeinflußt werden. Die verstärkte Hormonproduktion während der Schwangerschaft vermindert wahrscheinlich das Risiko, an Brust-, Eierstock- und Uteruskrebs zu erkranken. Und die Tatsache, daß auch Dickdarmkrebs unter den Nonnen relativ häufig diagnostiziert worden war, weist, wie die Forscher mutmaßen, auf einen Zusammenhang zwischen der Hormonproduktion und dieser – nach dem Brustkrebs unter amerikanischen Frauen zweithäufigsten – Krebsart hin.

Die Wissenschaftler regen an, die Statistik daraufhin zu studieren, ob Dickdarmkrebs unter Frauen, die geboren haben, häufiger vorkommt als bei denen, die nie schwanger gewesen sind.

Journal of the National Cancer Institute, April 69