Günther Weisenborn ist vor einigen Tagen gestorben. Warum hat die ZEIT nichts über sein Leben und Wirken geschrieben? Immerhin hat er schon in seinen ersten Büchern vor 1-933 gezeigt, wie sehr der Nazismus Deutschland bedrohte; er hat registriert und gewarnt. Immerhin ist er nach 1933 aus dem Exil in das Dritte Reith zurückgekehrt, nicht um Hitler, sondern um seinem Gewissen zu folgen und aktiv Widerstand gegen die Diktatur zu leisten (Verhaftung, Ortnienburg und Todesurteil waren die Folgen).

Immerhin hat er verschiedene bemerkenswerte Dramen geschrieben und zwei der wichtigsten literarischen und politischen Nachkriegsdokumente: "Memorial" und "Der lautlose Aufstand".

Immerhin ist er, was zu wenig bekannt, nicht ohne Einfluß auf Brecht gewesen.

Und doch kein einziges Wort für Günther Weisenborn? H. Wielek, Amsterdam

Die Antwort heißt: Wir sind nachlässig mit Nachrufen. Wir bemühen uns, den Lebenden gerecht zu werden. R. W. L