Der griechische Diktator Georgios Papadopoulos ging kein Risiko ein, als er letzte Woche drei Grundrechte der Verfassung wieder in Kraft setzte. Denn das Kriegsrecht bleibt. Kein Grieche darf mehr bei Nacht und Nebel aus dem Bett geholt werden – aber bei hellichtem Tage darf die Polizei auch weiterhin willkürlich verhaften. Friedlich und ohne Waffen dürfen sich die Griechen nun wieder versammeln – aber die Regierung zu kritisieren ist ihnen unter dem herrschenden Ausnahmerecht untersagt. Die Koalitionsfreiheit wird garantiert – aber Streiks bleiben weiterhin verboten.

Die Ausführungsgesetze zu diesen Grundrechten sind ohnehin noch gar nicht erlassen. Erst jetzt, ein halbes Jahr nach dem Verfassungsreferendum, hat die Militärregierung achtzehn Kommissionen beauftragt, jene Gesetze auszuarbeiten, durch die Griechenlands Verfassung überhaupt Leben gewinnen kann. Vermutlich hat Druck aus Washington die Obristen auf Trab gebracht, denn die Rückkehr des Innenministers Pattakos vom Eisenhower-Begräbnis und die Ankündigung des Juntachefs lagen auffällig dicht beieinander.

Papadopoulos hat vor zwei Jahren dem "kranken" griechischen Volk ein Gipsbett verordnet. Die Bandagen hat er nun ein wenig gelockert – der Gips bleibt. K.H.J.