Die International Herald Tribune veröffentlichte Auszüge aus dem Brief, den der sowjetische Bauer Jachimowitsch vor seiner Verhaftung in persönlicher Sache an jene Menschen gerichtet hat, "deren Namen in meinem Gedächtnis und in meinem Herzen beschlossen sind". Jachimowitsch, der wegen öffentlichen Protestes gegen die Besetzung der ČSSR eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu erwarten hat, wehrt sich von vornherein gegen die "Flut von Lügen und Heuchelei", die sich im Gericht über ihn ergießen würde.

"Arbeiter von Leningrad, Moskau und Riga, Schauerleute von Odessa, Liepaja (Libau) und Tallinn (Reval): Um die Ehre seiner Klasse zu retten, stellte sich der Arbeiter Wladimir Dremljuga auf den Roten Platz und sagte ‚Nein‘ zur Besetzung der Tschechoslowakei. Er wurde dafür ins Gefängnis geworfen ... Wer anders sollte einem Arbeiter helfen als ein Arbeiter?

Ich rufe auch mein eigenes Volk, die Polen, wo immer sie leben und arbeiten. Nehmt das Unrecht nicht schweigend hin. Noch ist Polen nicht verloren, solange wir leben.

Ich rufe die Letten, deren Land meine Heimat wurde. Vergeßt nicht die Tausende von Landsleuten in den Arbeitslagern von Mordwinien und Sibirien!

Akademiker Sacharow: Ich hörte von Eurem ‚Memorandum‘. Ich bedaure, daß ich Euch nicht mehr geschrieben habe. Es ist meine Schuld.

Kommunisten aller Länder, Kommunisten der Sowjetunion: Ihr habt nur einen Herrn, einen Souverän – das Volk. Aber das Volk besteht aus lebendigen Menschen. Werden die Menschenrechte verletzt und geschieht dies im Namen des Sozialismus und des Marxismus, dann kann es nicht zwei Standpunkte geben. Dann müssen Euer Gewissen und Eure Ehre entscheiden. Kommunisten, nach vorn! Kommunisten, nach vorn!

Diese Welt ist nur stark, weil wir auf den Knien liegen. Laßt uns aufstehen!"