Kinder sollen ein ehrlicheres Bild vom Leben erhalten, als es bisher vertretbar zu sein schien: Dieser Tage wurde in New York ein Kinderbuch veröffentlicht, das auch eine homosexuelle Episode im Leben zweier dreizehn Jahre alter Jungen enthält. Autor ist John Donovan, leitender Direktor des "Children’s Book Council", einer Vereinigung von 89 Verlegern. Ihm sei es nicht darum gegangen, sagte er, einen Präzedenzfall zu schaffen oder etwa Kapital aus einem immer noch von der Gesellschaft tabuierten Vorgang zu schlagen. "Ich habe ein Kinderbuch über die Gefühle zu schreiben versucht, die nun einmal zum Leben gehören. Auch Kinder sind schon damit vertraut und scheuen sich nicht, darüber zu reden." Daß Kinder in Kinderbüchern darüber lesen, hält er für die logische Folge erweiterter Aufgeklärtheit. Zweifelnden Eltern reicht Donovan das Trostbonbon mit: Er denke, so sagte er, daß die Kinder das Buch mit in die Schule nehmen und dort offen darüber diskutieren.

rml