Im klassizistischen Gebäude der Pariser Nationalversammlung zeigtesich Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François-Xavier Ortoli empört. Niemals, so betonte er energisch, habe de Gaulles Notenbank, die Banque de France, über staatliche Banken Gold aus Währungsbeständen auf dem freien Markt verkauft.

Aus der Differenz zwischen dem "amtlichen" Preis der Zentralbanken von 35 Dollar je Unze und dem "freien" Goldpreis von durchschnittlich 40 Dollar hätten die Franzosen sicher ansehnlichen Profit gezogen. Die parlamentarische Anfrage, die Ortoli in Harnisch gebracht hatte, bezog sich allerdings nur auf den Zeitraum zwischen dem 1. Mai und dem 30. November des vergangenen Jahres.

So halten sich heute in Paris Gerüchte, daß der Banque de Fiance nahestehende Banken Gold auf dem freien Markt aufkaufen, um Napoleon-Münzen nachzuprägen und dabei einen beträchtlichen Gewinn einzustreichen. Beweisen lassen sich diese – vielfach dementierten – Gerüchte freilich nicht.

Aber noch zu der Zeit, als der Franc stark war und de Gaulle seine Attacken gegen, die Führungsposition des Dollars ritt, wollten Gerüchte nicht verstummen, daß französische Bankinstitute zumindest im Einverständnis mit dem staatlichen Bankenapparat die Goldkrise durch massive Aufkäufe anheizten.

Indessen hat Südafrika, größter Goldproduzent der freien Welt, offensichtlich die erste Bresche in die von den USA aufgebaute Abwehrfront geschlagen. Während die Amerikaner die bestehenden Goldreserven der Notenbanken durch ein Verbot von Goldkäufen in Südafrika gewissermaßen einfrieren wollen, um das Gold nach und zu demonetisiern, ist die Haltung der europäischen Notenbanken weniger starr. Sie glauben nicht, daß das Gold als Bestandteil der Währungsreserven schon jetzt entthront werden kann.

Offiziell hat bisher, solange die Verhandlungen zwischen den USA und Europa noch im Gange sind, keine Notenbank Gold von Südafrika zum offiziellen Preis von 35 Dollar je Unze gekauft. Die Südafrikaner, die bisher 40 Prozent ihrer Einfuhren mit Gold bezahlten, behaupteten dagegen, daß sie eine nicht näher bezeichnete Menge an Zentralbanken abgegeben hätten.

Gerüchteweise verlautete, daß . vor allem Portugiesen zu den Abnehmern südafrikanischen Goldes gehören, da sie in ihrem Bestreben, ihre afrikanischen Kolonien zu schützen, in Südafrika einen natürlichen Verbündeten sehen.

Auf internationaler Ebene zeichnet sich indes in der Frage des Goldhandels ein Kompromiß ab, der dem Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank, Otmar Emminger, zugeschrieben wird. Danach sollen die Südafrikaner ihr Gold zunächst auf dem freien Markt verkaufen. Wenn dort jedoch durch das starke Angebot bedingt der Preis unter die amtliche Grenze von 35 Dollar je Unze fällt, wollen die Zentrabanken zu diesem Preise Gold aufnehmen. mh