DIE ZEIT

Maulkorb für Generäle?

Darf ein General sagen, was er denkt? Der rednerische Handstreich des stellvertretenden Heeresinspekteurs, Generalmajor Hellmut Grashey, vor der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg macht es einem nicht leichter, diese Frage so zu beantworten, daß man weder einem konformen Duckmäusertum der Militärs das Wort redet noch ihrer Unbotmäßigkeit.

Inflation der Ausschüsse

Bei der NATO-Tagung in Washington hat Präsident Nixon neue Verfahren zur Vertiefung der Konsultation im westlichen Bündnis vorgeschlagen.

Gelockerter Gips

Der griechische Diktator Georgios Papadopoulos ging kein Risiko ein, als er letzte Woche drei Grundrechte der Verfassung wieder in Kraft setzte.

Dialoge mit Moskau

Jahrelang hat die Vorstellung, Bonn könne womöglich eines Tages auf den Gedanken kommen, selbständig mit Moskau zu verhandeln, alle unsere Partner das Gruseln gelehrt.

Korrigierter Mißgriff

Vor mehr als zwei Jahren, im Februar 1967, statuierte Heinz Ruhnau, Innensenator der liberalen Freien und Hansestadt Hamburg, ein Exempel: Er ließ den nigerianischen Medizinstudenten Obi Ifeobu mit polizeilicher Eskorte direkt nach Lagos expedieren.

Aus Maos Holz geschnitzt

Wollte man unter den Mächtigen der Welt denjenigen benennen, von dem die Welt am wenigsten weiß – die Wahl fiele gewiß auf Lin Piao.

ZEITSPIEGEL

"Ich danke Ihnen für die vorbildliche Erfüllung Ihrer internationalen Pflichten bei der Unterstützung des tschechoslowakischen Volkes in der Verteidigung seiner sozialen Errungenschaften.

SPD - woher, wohin?

Ohne Zweifel wird es auf dem Godesberger Parteitag harte Diskussionen geben, aber ebenso sicher ist, daß die Position der Führung weit besser ist als vor einem Jahr in Nürnberg.

Brücke nach Osten

Nach einem Jahr sorgsamen Hochpäppelns soll Für den Kind der Umwelt vorgestellt werden. Für den kommenden Samstag hat die zwischen schaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der gebeten, union" in Wiesbaden zu einem Festakt gebeten, mit dem sie, nach der Gründung im April 1968, ihre öffentliche Tätigkeit beginnen will.

Die Last der Größe

Der streng erhobene Finger der Moskauer Prawda galt nicht nur dem Ostexperten des italienischen kommunistischen Parteiorgans Unitá, sondern allen unbequemen Freunden, die den oft blinden Eifer dämpfen möchten, in den sich die Sowjetunion angesichts all ihrer Bedrängnisse zu verrennen droht.

Moskau drohte Prag

Warum hat Prag sich den jüngsten sowjetischen Forderungen so rasch gebeugt? Die Antwort auf diese Frage birgt ein politisches Dokument, das der BBC-Reporter David Lomax aus der Tschechoslowakei herausgebracht hat.

Geheimkonferenz

Er: Bleibt denn auf dieser Konferenz nichts geheim? Außerdem war das eine Nordvietnamesin, die zur Hanoi-Delegation gehört. Als wir gestört wurden, streckte sie gerade im Namen Hanois einen Friedensfühler aus.

Gladiatoren-Mut

Die International Herald Tribune veröffentlichte Auszüge aus dem Brief, den der sowjetische Bauer Jachimowitsch vor seiner Verhaftung in persönlicher Sache an jene Menschen gerichtet hat, "deren Namen in meinem Gedächtnis und in meinem Herzen beschlossen sind".

Ein Kolchosbauer rebelliert

Dieser Tage soll in Riga der Prozeß gegen den Bauern Iwan Jachimowitsch beginnen. Von den lettischen Behörden wird er beschuldigt, "bewußt falsche, verleumderische Informationen über die politische und soziale Ordnung der Sowjetunion verbreitet zu haben".

Verfolgt in alle Ewigkeit?

Ein Oberwachtmeister der Polizei meldete seinem Vorgesetzten: Auf eigene Faust habe er 350 Juden erschießen lassen, "um einem weiteren Zuzug ins Getto vorzubeugen".

Abschied vom Airbus

Der moderne Flugzeugbau ist längst ein Glücksspiel geworden. Neue, aufwendige Typen kann man nicht bauen, bevor man weiß, wer sie kauft.

Streit um den Sperrvertrag

Die letzte Runde dieses Streits war während der nachösterlichen Ruhetage im Bonner Auswärtigen Amt eingeläutet worden. Der parlamentarische Staatssekretär Jahn und der Leiter der Planungsabteilung, Botschafter Bahr, hatten eine kleine Gruppe von Journalisten eingeladen und ihnen die Gründe dargelegt, die für eine rasche Unterzeichnung des Atomsperrvertrages sprechen.

Druck von draußen?

In der Bundesrepublik hat der herannahende Wahlkampf die Debatte über die Bonner Unterschrift unter den Atomsperrvertrag neu entflammt.

Weder Europäer noch Yankees

Die meisten Staaten schlagen sich heute mit dem gleichen Kernproblem herum: Wie lassen sich die Gewichte zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit sinnvoll austarieren? Es gibt darauf keine Antwort, die zugleich radikal und aufrichtig wäre.

Formel fürs Helfen

Das habe ich auch gemeint, als ich vor einem halben Jahr das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit übernahm. Ich habe mich in all die Sachgebiete eingewühlt, die der Kollege Kiep anführt, und in einige dazu: Umschuldungen, Handelshilfe, Kreditkonditionen, Rückflüsse und die Reorganisation des Entwicklungsdienstes.

Washingtons arme Nachbarn

In Washington hatten sich die Minister nach der Jubiläumstagung des Atlantikrates noch nicht verlaufen, als Präsident Nixon im Kreis der Botschafter Lateinamerikas schon eines anderen Jahrestages gedachte: Die Organisation der amerikanischen Staaten feierte ihr 21 jähriges Bestehen.

Nordkorea schoß US-Flugzeug ab

Fünfzehn Monate nach dem Aufbringen des Nachrichtenschiffes "Pueblo" hat sich zwischen Nordkorea und den USA ein neuer schwerer Zwischenfall ereignet.

Dokumente der ZEIT

Zweitens: Nachdem das Bündnis seinen ursprünglichen Zweck erfüllt hat, muß es sich den Gegebenheiten des Erfolges anpassen, und nachdem die Furcht nicht mehr so sehr wie einst der zusammenschweißende Faktor ist, müssen wir neue Bande schmieden, um unsere Einheit zu wahren.

Gerüchte um Dubcek-Reise nach Moskau

Inmitten eines Wirrwarrs von Reden und Gerüchten über eine bevorstehende Kraftprobe in Prag, von Meldungen und Dementis über sowjetische Truppenverstärkungen in der ČSSR hielt sich am Dienstag das Gerücht: Parteichef Dubček werde zu Verhandlungen nach Moskau reisen, aber zurückkehren, bevor das Zentralkomitee der KPČ am Donnerstag zusammentritt.

England: Unmut über Wilson

Nach Wochen des Schwankens und des Zögerns ist Premierminister Wilson scheinbar willens, eine "neue entschiedene Führerschaft" zu beweisen, die ihm politisch Kopf und Kragen kosten kann: Schatzkanzler Jenkins forderte die Bevölkerung am Montag vor dem Unterhaus nicht nur zum Sparen und Maßhalten auf, sondern kündigte vor allem Maßnahmen der Regierung gegen das ruinöse Streik-Unwesen an.

Frankreich: Zweifel an de Gaulle

Knapp drei Wochen, bevor 29 Millionen Franzosen über die Umwandlung des Senats und die Regionalreform abstimmen werden, versuchte General de Gaulle das Referendum zur nationalen Schicksalsfrage hochzuspielen.

NATO auf vorsichtigem Entspannungskurs

Die NATO-Staaten wollen "in enger Konsultation untereinander" bei den Sowjets und ihren Verbündeten sondieren, wie sich Verhandlungen über Sicherheit und Frieden in Europa am besten einleiten lassen.

Absage an Hussein

Unter dem Grollen der Geschütze am Suezkanal und im Jordan-Tal trafen die UN-Botschafter der vier Großmächte am Montag in New York zu ihrem dritten Gespräch über den Nahostkonflikt zusammen.

Italien: Sturm gegen Rumor

Als vorige Woche zwei Arbeiter in Battipaglia in der Nähe von Salerno bei Streikunruhen gegen die angekündigte Schließung einer Zuckerfabrik und gegen Kurzarbeit in einer Tabakmanufaktur erschossen wurden, erhob sich der Ruf nach einer Reform der Polizei.

Streit um die Unterschrift

Die Bundesregierung hat am Dienstag ihre Antwort auf eine große Anfrage der FDP zur Deutschlandpolitik beraten, die nächste Woche vom Parlament behandelt werden soll.

Hauskrach in Hannover

Sechs Wochen nach der Bundespräsidentenwahl werfen die Parteiaustritte in Niedersachsen Schatten auf das glanzvolle Bild der Geschlossenheit, das die FPD in Berlin geboten hatte.

Kraftprobe in Großbritannien

Unerschöpflich ist die Phantasie der Engländer, wenn es um die Formen des Arbeitsausstandes geht. Die BOAC-Piloten ließen ihre Maschinen auf allen Weltflugplätzen stehen, damit sich der Streik auch nach seinem Ende noch hinzog.

Das Grab zu Rhöndorf

Der Besucherstrom hat nachgelassen. Aus den Kolonnen, die noch vor Jahresfrist bergan zogen, herangeschafft mit Autobuskarawanen, sind Gruppen und Grüppchen geworden, die sich auf den Weg hinauf zum Friedhof machen.

Arabisches Doppelspiel

Über dem Nahen Osten hängen die Zeichen eines neuen Krieges. Moshe Dayan spricht von der Gefahr einer Eskalation in diesem Sommer.

Vier Nägel – sechs Ohrfeigen

Feinmechanikermeister Töpfer aus Mannheim versteht die Welt nicht mehr. Er schlug sechsmal hintereinander in das Gesicht seines achtzehnjährigen Lehrlings Wolf gang Jerrentrup, der bei ihm im vierten Lehrjahr steht.

Brauner Bruder

Anti-Kominternbund sucht Freunde", so las man im Herbst letzten Jahres in der rechtsradikalen Deutschen National-Zeitung. Wolf-Dieter Eckart, Freundsucher und brauner Jungbarde aus Hamburg, hatte mit seinen Anzeigen ungeahnten Erfolg.

Recht in unserer Zeit:: Er wollte Maria heißen

Warum der Kläger so ist, wird ganz nicht zu klären sein, der Kläger ist Transvestit. In einer Gesellschaft, die uneheliche Geburt noch immer als Makel ansieht, mag der Wunsch nach Verwandlung ein naheliegender Ausweg sein.

Fackel von links

Die "Nordwoche", Schleswig-Holsteins Wochenzeitung, erschien am 11. April erstmalig mit 30 000 Exemplaren. Für weitere zwei Jahre wird die Bonner SPD-Führung mit einer Million Mark Starthilfe dafür sorgen, daß das Blatt sich mausert.

1:0 für die Löwen:: Schuß aufs Siegestor

In München steht nicht nur ein Hofbräuhaus sondern auch ein Siegestor. Was dann auch in Reiseführern vermerkt wird: "Den Abschluß der Ludwigstraße bildet im Norden das berühmte Siegestor.

Rot ist die Hoffnung

Als Hannelore Kaub 23 Jahre alt war, setzte sie ihre Beerdigung bei 30 an. Wenn sie dieses Alter erreicht hätte, dachte sie damals, müsse Schluß sein mit dem Kabarett.

Hatz auf Berger

Er verlangte eine Zigarette und einen Kamm. Erst dann ließ er sich von den Pressephotographen knipsen, die Beine lässig übereinandergeschlagen, den weißen Rollkragenpulli geordnet, einen Anflug von Lächeln im Gesicht.

Profit für die Praxis

Die Kunst, einen politischen Essay zu schreiben, anspruchsvoll im sprachlichen und intellektuellen Niveau, breit genug, um Probleme nicht nur anzurühren, sondern sie auch wirklich zu erörtern, gehört nicht zu den Gaben, die in deutscher Sprache eben weit verbreitet sind.

Europas Bananenrepublik

Nach zwei Jahren Diktatur in Griechenland verfügen wir nur über ein paar Bücher historisch-politischer Analyse, aber dieses Wenige enthält genügend Information und Exemplarisches, um deutschen Lesern Fragen nach der Zukunft von Demokratie schlechthin aufzudrängen.

Von Plato bis Max Weber

Trotz eines enorm gewachsenen Angebots hören die Klagen nicht auf, es fehle für den politischen Unterricht an deutschen Schulen an verwendbaren Texten, die etwa bei der Einführung in politische Denksysteme nützlich sein könnten.

Mehr "Krull" als "Tell"

Von Rolv Heuer Seit Kriegsende fahndet das deutsche Gewissen nach Widerstandskämpfern gegen das Dritte Reich. Auf der Suche nach der verlorenen Kollektivunschuld könnte es nun geschehen, daß sich die Deutschen an Otto Strasser erinnern – um so leichter, als Strasser sich schon seit 24 Jahren als der Widerstandskämpfer gegen Hitler in Erinnerung bringen will.

Die Gewalt der Lüge

Die Periode des Stalinschen Terrors von 1935 bis 1939 und die von Stalin durchgesetzten Nachholungen dieses Terrors nach dem Krieg in den neu unterworfenen Ländern sind die schwerste Hypothek auf dem moralischen und politischen Prestige der Sowjetunion und der sowjetrussischen Kommunistischen Partei.

Revolution – nach Hausmannsart

Die historischen Schauspiele im Schiller-Epigonentum gleichen sich im Grunde wie ein Ei dem anderen, ob die Handelnden nun Sarazenen oder Hugenotten, Römer, Perser oder Ritter sind, ob der Konflikt sich fromm vor die biblische Legende kniet oder sich trutzig um vaterländische Gedanken schart.

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