J. S., Washington, im April

Bei der NATO-Tagung in Washington hat Präsident Nixon neue Verfahren zur Vertiefung der Konsultation im westlichen Bündnis vorgeschlagen. Er regte an, periodische Zusammenkünfte der stellvertretenden Außenminister abzuhalten, ferner einen politischen Planungsausschuß und einen Sonderausschuß für die gesellschaftspolitischen Probleme zu bilden.

Im Schlußkommuniqué wurde dieser Idee nur mit einem schüchternen Hinweis gedacht. Die Minister ersuchten den ständigen NATO-Rat in Brüssel lediglich, den Vorschlag zu erwägen, daß "hohe Beamte ihrer Außenministerien regelmäßig zu einer Prüfung großer und langfristiger Probleme des Bündnisses zusammentreten sollen".

Der Grund für die Zurückhaltung der Kommunique-Verfasser: In der Atlantikpaktorganisation gibt es bereits über zweihundert Ausschüsse. Sie halten im Jahr rund zweitausend Tagungen ab, an denen insgesamt etwa zehntausend Beamte und Sachverständige der Mitgliedstaaten teilnehmen. Sarkastisch bemerkte deswegen in Washington ein NATO-Diplomat: "Wir sollten lieber einen neuen Ausschuß für die Abschaffung von NATO-Ausschüssen bilden."