In der vorigen Folge setzte sich Lundberg mit den Untersuchungen Robert Kennedys, Senator Kefauvers und Professor Bells über das Gangsterunwesen in der amerikanischen Wirtschaft auseinander. Er fährt fort:

Im Laufe der Zeit wurden viele dieser Burschen "legitime" Eigentümer – "legitim" bedeutet in diesem Fall, daß ein Gericht ihre Eigentumsansprüche wohl anerkennen würde. "Viele dieser Spitzengangster bezogen ihr Einkommen nun aus rechtmäßigen Investitionen Einkommen im Fall Costello), Speditionen und Autovertretungen (Ford im Fall Adonis) oder aus solchen halbgesetzlichen, aber sozial immerhin noch hinzunehmenden Quellen wie Spielkasinos."

Kurz gesagt, es werden einem die Asse der Unterwelt vorgestellt, deren Namen auch schon in den Untersuchungen der Herren Kefauver und McClellan auftauchten. Darunter sind solche "Arbeiterführer" wie Jimmy Hoffa, Dave Beck und ihre Spießgesellen – verkehrte Robin Hoods, die als Gewerkschaftsführer die Armen zum Vorteil der Reichen ausplünderten. Diese Ganoven, so lautet die allgemeine Überzeugung, haben die allerletzte Straße zum Reichtum passiert und besitzen nun in aller Stille stramme Aktienpakete unserer größten Konzerne. Sicherlich haben sie die für ein solches Gewerbe notwendigen Qualitäten: sie sind völlig rücksichtslos und kennen keinerlei Skrupel. Aber Format fehlt ihnen ebenfalls.

Auch auf die Gefahr hin, den Leser mit Einzelheiten über die Frage zu langweilen, ob die Unterwelt nun ein Treibhaus für große Vermögen ist, möchte ich nach langer Beschäftigung mit diesem Thema kategorisch feststellen: Das ist einfach nicht wahr. Sicherlich hat ein Mann wie Costello Rücklagen machen können, um deren Höhe ihn mancher kleine Mann beneiden würde. Ich bezweifle aber, daß es sich dabei um Summen handelt, die im Rahmen unserer Untersuchung der Rede wert sind. Wenn Costello oder ein anderer Gangsterchef im Jahre 1965 über mehr als fünf Millionen Dollar hätte verfügen können, so würde mich das sehr überraschen. Es gibt keine Anzeichen dafür, daß in der Unterwelt das große Geld gemacht wird – es sei denn, Wall Street selbst würde in die Unterwelt verlegt.

Der Grund dafür ist einfach. Soweit es die halbwegs öffentlichen Aktivitäten der Ganoven anlangt – Betrieb von Spielhöllen, Freudenhäusern oder sonstigen Stätten der Sünde (anders liegt der Fall bei so heimlichen Tätigkeiten wie dem Rauschgifthandel) –, müssen sie teilen: mit den Lokalpolitikern, dem kleinen Streifenpolizisten auf der Straße und seinem Chef auf der Revierwache. Wenn schließlich das gesamte "Geschäftsergebnis" auf Hunderte von Mittätern aufgeteilt ist, bleibt nicht viel für jeden einzelnen. In der Prostitution ist der Profit sogar noch niedriger, und die Unkosten sind höher.

Wenn man den Zeitungen glauben soll, so kommt eines Tages irgendein Gangster daher – gewöhnlich ein Italiener, Ire oder Jude – und zieht eine Bande auf. Dann sieht er sich nach "politischer Protektion" um; er bemüht sich um ein reputierliches Aushängeschild.

Was dagegen in den meisten Fällen tatsächlich geschieht, ist dies: Eine etablierte Gruppe aus Geschäft und/oder Politik, die ihre Ziele gesteckt hat, sieht sich nach einem Gangster um, der ihr für ihre Zwecke geeignet erscheint. Wenn er nicht am Ort gefunden werden kann, so importiert man ihn – so wie Costello nach New Orleans geschickt wurde, um dort die Sache mit den Spielautomaten voranzubringen; wie Johnny Torrio und Al Capone, wohlgeratene – Söhne Brooklyns, nach Chicago entsandt wurden, um dort nach Kräften die allgemeine Lasterhaftigkeit zu fördern; wie Henry Ford den Harry Bennett nach Detroit verbrachte, um zu Nutz und Frommen des Autokonzerns die Gewerkschaften zu ruinieren.