Berlin. Bis zum 30. April, Ben Wargin Galerie, jetzt im Europa-Center: "Fritz Köthe"

Immer wieder gern gesehen, zerfetzte Plakate, Realität aus zweiter Hand, dekollagiert, Mädchen, Waschmittel, Maschinen, Fruchtsäfte auf zerrissenem Papier, die Risse und Knitterfalten so virtuos gemalt, daß man darüber hinzustreichen versucht ist. Die Bilder von 69 sind, gegen die früheren Arbeiten, zu glatt und zu fade, Realitätsfragmente ohne den Umweg übers Plakat, Köthe, um sich nicht ständig zu wiederholen, hat die Illusion der Kollage aufgegeben, bis zum Herbst wird er für die Kestner-Gesellschaft eine neue Serie produziert haben.

Hamburg Bis zum 26. Mai, Kunstverein: "Malerei des Surrealismus von den Anfängen bis heute"

Surrealismus nun auch in Hamburg, eine reichlich späte Premiere, wo doch seit Jahren, zuletzt in Recklinghausen bei den Ruhrfestspielen, Bereiche des Phantastischen zur Schau gestellt werden. Trotzdem: es sind schöne, phantastisch schöne Bilder in Hamburg. Der Surrealismus hat die Welt nicht verändert und die Emanzipation des Menschen, die er proklamierte, nicht vorangebracht, aber unter seinem Vorzeichen sind einige der schönsten Bilder in unserem Jahrhundert entstanden. Und, wenn man dem Hamburger Konzept folgt, auch in den vergangenen Jahrhunderten. Der Eingangsraum gehört den "Vorläufern". An der Spitze Arcimboldi, seinen "Gemüsegärtner", seinen "Sommer", Gesichter aus Früchten und Gemüsen zu sehen, bereitet höchstes Vergnügen, auch wenn man ihn vielleicht nicht so eindeutig zu den Vorläufern des Surrealismus rechnen möchte. Füßlis "Zauberstab der Feenkönigin" ist gemalte Literatur, kein Traumbild aus dem Unbewußten. Eine wundervolle Leihgabe aus dem Moreau-Museum: "Die Einhörner", sie sollen den apokryphen Surrealismus des 19. Jahrhunderts dokumentieren. Die Berliner "Labyrinthe" (die sich an der "Welt als Labyrinth" von Hocke orientierten) haben seinerzeit das Schema der Vorläufer aufgestellt, das von den Veranstaltern ähnlicher Darbietungen im Rahmen des ihnen Möglichen übernommen wurde. Arcimboldi, Desiderio,. Moreau, in Berlin fing man allerdings bei Bosch an, Recklinghausen konnte auch noch Redon und Böcklin aufweisen, die in Hamburg fehlen. Die eigentliche Problematik liegt allerdings nicht bei den Vorläufern, sondern erst bei den Mit- und Nachläufern, die leider auch in Hamburg breit vorgeführt werden. Delorme, Graveroi, Herold, Hantai, Jene, Surrealisten der zweiten und dritten Garnitur, liefern Wunsch- und Alpträume für jedermann, sie demonstrieren damit zugleich den Rang von Max Ernst, Dali, Tanguy (der mit besten Arbeiten aus den Jahren 1927 bis 1943 vertreten ist), Magritte, Brauner, Toyen. Daß es der Ausstellung nicht gelingt, den Surrealismus gegen die Ars Phantastica abzugrenzen, halte ich für ein positives Ergebnis. Die heutigen Phantasten, soweit sie nicht bloß eine Mode mitmachen, sind die legitimen Nachfolger der klassischen Surrealisten.

Weiterhin im Programm:

Berlin Bis zum 27. April, Akademie der Künste: "Minimal Art"

Nach Düsseldorf, wo Minimal Art heftig diskutiert und schließlich durch eine dreitägige Demonstration von Aktionskunst abgelöst und neutralisiert wurde, sind die zehn amerikanischen "Strukturisten" jetzt in der Berliner Akademie der Künste.