Das Entwicklungsland Algerien will sich nach der politischen Selbständigkeit nun auch wirtschaftliche Unabhängigkeit erkämpfen. Frei ist nur, wer auch wirtschaftlich unabhängig ist, lautet der neue Wahlspruch der algerischen Politiker.

Die eigentlichen Gegner sind wieder die Franzosen, die traditionell der wichtigste Handelspartner der Algerier sind. Die französische Regierung hat selbst zur Verschlechterung der Handelsbeziehungen beigetragen. Sie kontingentierte die algerischen Weinimporte und schickte die algerischen Gastarbeiter zurück in die Heimat. Algerien lebt heute mit rund 1,5 Millionen Arbeitslosen, und ihre Zahl nimmt jeden Tag zu.

Weitaus schwerwiegendere Differenzen aber zeigten sich in der Erdölindustrie, Algeriens wichtigstem Industriezweig, den heute noch die Franzosen mit den staatlichen Firmen ERAP und CFP weitgehend kontrollieren. Man wirft den Franzosen vor, daß sie nur minimale Erschließungsarbeit leisten, zuwenig investieren und durch niedrige Exportpreise für das Öl die sinnemehen der Alberigen schmälern.

Die neuen Partner Algeriens sind die Russen und der amerikanische Milliardär Getty. Die Russen kaufen Algerien Wein und Öl zu großzügigen Bedingungen ab.

Die Russen werden in den Jahren 1970 und 1971 rund 10 Millionen Hektoliter Wein kaufen, gleichzeitig aber wird die algerische Regierung ihre Weinproduktion weiter reduzieren, und aus Weinbergen Ackerland machen. Die Weinproduktion ist in zwei Jahren von 1965 bis 1967 um die Hälfte zusammengeschrumpft, ein Viertel der 360 000 Hektar Weinberge ist heute schon Ackerland.

Die Russen gründeten eine technische Hochschule und unterrichten dort heute 950 Algerier. Sie leisten Militärhilfe und technische Beratung. Bei Verhandlungen mit französischen Ölgesellschaften ist es heute keine Seltenheit, daß russische Ingenieure ihren algerischen Kollegen zur Seite stehen.

Andererseits wollen die Algerier keinesfalls ganz von den Russen abhängig werden. Der Amerikaner Getty hilft ihnen dabei. Er schloß mit der staatlichen algerischen Ölgesellschaft Sonatrach einen langfristigen Vertrag.