Auch für die Aktionäre der Commerzbank ist die Zeit der Pari-Kapitalerhöhungen vorüber. Das ist keine Überraschung, schon im vergangenen Jahr hatte der Vorstand die Aktionäre auf diesen Schritt vorbereitet. Bei der diesjährigen Kapitalerhöhung 11:1 ist der Ausgabekurs für die jungen Aktien auf 100 Mark (oder 200 Prozent) festgesetzt worden. Erinnert sei daran, daß die Deutsche Bank im vergangenen Jahr für ihre jungen Aktien sogar 250 Prozent verlangte.

Die Commerzbank ist aber nicht nur im Bezugskurs hinter der Deutschen Bank zurückgeblieben, sondern auch in der Ausschüttung. Sie schlägt vor, auf die Aktie im Nennwert von 50 Mark für 1968 statt 8 Mark wie im Vorjahr nunmehr 8,50 (oder 17 Prozent) zu verteilen. Wenn man nun gleichzeitig erfährt, daß das Jahr 1968 in der fast hundertjährigen Geschichte das ertragsreichste des Instituts war, dann erscheint die Dividendenerhöhung nicht gerade als überwältigend.

Kein Wunder, wenn der Vorstand Dividendenerhöhung und Bezugsrecht zusammen gewertet haben will. Der Bezugsrechtwert liegt bei etwa 30 Prozent, 1968 waren es 38 und 1967 28 Prozent: Nun ist es allerdings eine problematische Angelegenheit, Bezugsrechte als Ertrag zu betrachten. Soweit geht nicht einmal das sonst gewiß nicht pingelige Finanzamt.

Wenn die Commerzbank mit ihrer Ausschüttung so "behutsam" war, dann ist dies sicherlich auch im Lichte des bevorstehenden 100jährigen Jubiläums zu betrachten, zu dem die Aktionäre "etwas Besonderes" zu erwarten haben, wie Vorstandsmitglied Will Marx sich ausdrückte.

Mehr verriet er allerdings nicht. Aber mit einiger Sicherheit wird im kommenden Jahr das Kapital nochmals erhöht werden müssen. Denn was jetzt an neuem Kapital hereinkommt, reicht nur aus, um den Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme auf bescheidene 4,7 Prozent zu bringen. "Unser Ansehen in der Welt ist inzwischen so gewachsen, daß wir geschäftliche Nachteile vom Abweichen der international üblichen 5-Prozent-Grenze nicht zu erwarten brauchen", meinte dazu Marx.

Die Commerzbank zieht bei Kapitalerhöhungen eine Politik der kleinen Schritte vor mit Rücksicht auf die Aktionäre, die nach Möglichkeit ihre jungen Aktien aus den Dividendenausschüttungen bezahlen sollen. Wenn die Bilanzsumme in diesem Jahr weiter wächst – und dafür spricht einiges –, wird es schwer werden, mit den Aktionären weiterhin so schonend zu verfahren. Es sei denn, man ringt sich dazu durch, zum Jubiläumsjahr stille Reserven aufzulösen und diese dann gleich als Gratisaktien an die Aktionäre zu verteilen. K.W.