Von Günter Muncke

Der Wagen schoß mit etwa 150 Stundenkilometern durch die überhöhte Linkskurve. Dann gab der Fahrer Vollgas: Die Bergabstrecke läßt sich im höchsten Gang mit Höchstdrehzahl nehmen. Unten eine Brücke, ein kleiner Rechtsknick, und genauso steil wie es hinuntergegangen war, stieg die Strecke nun bergauf.

"Flughafen" nennt sich diese äußerst schnelle Partie des Nürburgrings. Sie heißt so, weil auf den Wiesenhängen der Umgebung früher Sportflugzeuge gelandet sind.

Die Bergaufstrecke am Flughafen gleicht einer Startrampe für Weltraumraketen. Die Piste führt über einen Geländeknick, und man sieht daher von unten nicht, wohin die Reise geht. Trotzdem beschleunigen die Rennfahrer hier voll, denn sie wissen: Erst kommt ein – meist harmloser – kleiner Luftsprung am Knick und dann, nach weiteren 100 Metern, eine sanfte Rechtskurve.

Auch Chris Irwin – so heißt der Fahrer des eleganten, schnellen 3-1-Ford-Prototyps – dreht den 420-PS-Motor bis an die obere Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Sein flacher Renner, gerade einen Meter hoch, gleicht jetzt einem flügellosen Düsenjäger.

Und hier, am Flughafen, da setzt dieses gerade 500 kg wiegende Geschoß zu einer spektakulären Luft-"Reise" an: An der Bergkuppe wird es von einer Bö jäh in die Höhe gerissen; der Rennwagen fliegt, sich gespenstisch langsam nach vorn neigend, mehr als 100 Meter und kracht wenige Schritte neben einem Streckenposten auf.

Chris Irwin wird aus dem demolierten roten Wagen schwer verletzt herausgezogen. Erst ein halbes Jahr später ist er wieder so weit hergestellt, daß er seinen Rückzug vom Rennsport bekanntgeben kann ...