Von Ben Witter

Ich darf noch einmal kurz zusammenfassen". Hausmakler Sch. schob die Unterlagen in seine Aktenmappe: "Das Grundstück ist dreihundertfünfzig Quadratmeter groß, der umbaute Raum zweiundsechzig, voll unterkellert. Im Erdgeschoß befindet sich das Wohn- und das Schlafzimmer sowie eine Toilette. Dann geht es vierzehn Stufen hoch, links liegt das Badezimmer und rechts die Wohnküche, daneben ein halbes Zimmer, nicht zu vergessen die Abseiten. Vor dem Haus ist Rasen, dahinter sind Blumen- und Obstbeete, mitten drin steht eine Laube. Erbaut wurde das Haus im Frühjahr 1939. Die Resthypothek in Höhe von D-Mark achtzehntausend und etwas kann ja draufbleiben ... Ich übertreibe nicht, mit dem Auto sind wir in knapp dreißig Minuten da."

Unterwegs sagte Hausmakler Sch.: "Ich beifasse mich vorzugsweise mit Leibrentenobjekten und bin stets auf der Suche nach Einfamilienhäusern. Reihenhäuser meide ich nach Möglichkeit. Und wie sage ich es den Eigentümern? – Sie verkaufen zwar Ihr Haus, sage ich, doch Sie bleiben bis an Ihr Lebensende darin wohnen. Eine größere Summe gibt es sofort beim Notar, sage ich, und anschließend kommt die monatliche Rente, die ist auch gegen eine Geldentwertung durch die sogenannte Butterklausel abgesichert. Rente kommt zu Rente, sage ich immer. Denn die meisten Kunden haben ja schon irgendeine Rente, aber wer kommt heute damit aus. Glauben Sie mir, mit 10 000 Mark Anzahlung und der monatlichen Rente wachsen Sie in ein Vermögen hinein, dessen Wert ständig steigt. Wo gibt es eine bessere Verzinsung? Grundbesitz bleibt Grundbesitz."

Von einer Asphaltstraße ging rechts eine kurze Straße ab. Wir hielten vor dem dritten Haus. An der Gartentür erwartete uns Herr G., der Eigentümer. "Er hatte früher ein Feinkostgeschäft", flüsterte mir Hausmakler Sch. beim Aussteigen zu, "und wird uns zuerst den Garten zeigen."

"Sie sind ja selbst ein Gartenfreund", begann Herr G., "deshalb können Sie beurteilen, wie sehr man an diesem Fleckchen Erde hängt. Deshalb sagte ich auch Herrn Sch., er soll mir unbedingt einen Gartenfreund mitbringen. Die sechzehn Obstbäume habe ich schätzen lassen, die Pflaumenbäume tragen dieses Jahr nicht, aber es wird Birnen und Äpfel geben. Den Jägerzaun bekam ich zum Einkaufspreis; seinerzeit hatte ich mein Geschäft noch. Durch meine Verbindungen stellte sich auch bei dem Bau des Hauses manches erheblich billiger ... Dreißig Jahre führte ich mein Geschäft, ohne Angestellte, nur meine Frau stand mit im Laden." Wir gingen ins Haus.

Frau ‚G. hatte Kaffee gekocht. "Erst müssen wir alles gründlich besichtigen", wehrte Hausmakler Sch. ab.

Der Keller hatte einen Zementboden, er bestand aus zwei Räumen. Die Decke war weiß getüncht. "Darüber liegen Eichenbohlen", erklärte Herr G. Das Haus war bis einen Meter über der Erde verklinkert. Herr M. hatte die Steine gestrichen, in die Fugen war weiße Ölfarbe gekommen. Im Rauhputz hatte sich nicht viel Schmutz festgesetzt.