Wer, aus Europa kommend, zum erstenmal durch ein paar große amerikanische Museen und Kunstsammlungen gegangen ist, der weiß danach ein Lied zu singen nicht nur von den Dürers, Rembrandts und Picassos sondern auch von den Fords, Guggenheims und Rockefellers: Ohne die Lust der letzteren am Geld, an der Kunst, am Stiften wären die Werke der ersteren wohl kaum dorthin gekommen, wo sie jetzt sind. Und der Besucher aus der Bundesrepublik beginnt sich zu fragen, wie denn wohl die Rockefellers seines Landes heißen.

Aber die Leidenschaft, Kunst zu sammeln, ist eins, die Leidenschaft, sich dazu (und zu dem Geld, mit dem man sie realisiert hat) zu bekennen, ein anderes, und die Leidenschaft zu stiften schließlich ist ein drittes. Deutsche Museumsdirektoren, die von den staatlich gewährten Mitteln keine großen Sprünge machen können und daher ständig auf Suche nach dieser Dreierkombination "Wohlhabender Sammler mit Stifter-Enthusiasmus" sind, kennen das Thema gut.

Nun ist es ja durchaus nicht so, daß in diesem Lande Kunstbegeisterung und Kapital einander ausschlössen: Wer nur genügend Ausstellungskataloge durchblättert und die Leihgeberlisten aufmerksam durchliest, der kommt ihnen allmählich auf die Spur, den Sprengeis und Poppes, den Hacks und Schniewinds. Von sich aus aber vermeiden sie jedes Aufsehen, sind, aus mancherlei Gründen, beherrscht von einer frommen Furcht vor der Öffentlichkeit.

Ob es nun die Erkenntnis ist, daß es Dinge gibt, die zwar Einzelbesitz sind, aber Allgemeingut sein sollten, oder ob es der Sammlerstolz ist, der schließlich doch nicht auf ewig im Verborgenen blühen mag: Deutschlands Sammler tauchen aus ihren Hausmagazinen, Kellern und kostbar verzierten Wohnzimmern auf und treten an das Licht der Öffentlichkeit:

In Köln wurden Anfang dieses Jahres rund 100 Stück Kunst unserer Tage im Werte von rund 2,5 Millionen Mark von Dr. Peter Ludwig, Schwiegersohn im Hause "Trumpf", als Dauerleihgabe dem Wallraf-Richartz-Museum überantwortet; und in Hannover hat am 17. April Dr. Bernhard Sprengel aus Anlaß seines 70. Geburtstags seine Sammlung moderner Kunst der Stadt zur Verfügung gestellt. Man schätzt den Wert dieser Sammlung, in der von Beckmann und Klee über Picasso und Léger bis hin zu Pollock und Rothko die Vertreter der klassischen Moderne in signifikanten Exemplaren vollzählig versammelt sind, heute auf rund 15 Millionen Mark. Für einen Museumsbau, in dem sie zusammen mit dem ganzen städtischen Besitz neuerer Kunst in Hannover dann später untergebracht werden soll, stiftete Sprengel außerdem noch 2 Millionen Mark und 500 000 Mark für Verwaltungskosten,

Die Stiftung der Sammlung Sprengel wird so schnell keine Parallele finden, und das nicht nur wegen des realen, sondern auch wegen des ideellen Wertes dieser Sammlung, die, wie Wieland Schmied im Katalogvorwort zur Ausstellung im Kestner-Museum schreibt, charakterisiert ist durch Objektivität einerseits und Konzentrierung auf Wesentliches andererseits. Aber die Pioniertaten der Schokoladen-Industrie könnten ja vielleicht doch auf die Produzenten von anderen, auch weniger süßen Konsumgütern animierend wirken. Petra Kipphoff