Als vorige Woche zwei Arbeiter in Battipaglia in der Nähe von Salerno bei Streikunruhen gegen die angekündigte Schließung einer Zuckerfabrik und gegen Kurzarbeit in einer Tabakmanufaktur erschossen wurden, erhob sich der Ruf nach einer Reform der Polizei.

Da diese Vorfälle in Battipaglia zu einem neuen Generalstreik, zu Unruhen und Ausschreitungen in einem Dutzend weiterer italienischer Städte führten, die teils auch auf die Gefängnisse übergriffen, wurden in Rom politische Konsequenzen verlangt. Die Linksopposition trat einmütig für die Entwaffnung der Polizei und für den Rücktritt von Innenminister Restivo ein, der am Dienstag vor der Ersten Kammer Bericht erstatten sollte. Während Vizepremier De Martino und die meisten sozialistischen Minister der Regierung Rumor nur von einer Neuordnung des Polizeieinsatzes sprachen, herrscht bei der Fraktion der Nenni-Sozialisten massives Unbehagen über die "Polizeistaatsmethoden", die offenbar auch eine Regierung der linken Mitte nicht verhüten konnte. Die Vertrauenskrise innerhalb des Regierungslagers war so groß, daß vor der Debatte die Führungsgremien der drei Parteien – Sozialisten, Christliche Demokraten und Republikaner – zusammentreffen mußten, um Restivos Rapport zu ratifizieren.