Christopher Layton: Technologischer Fortschritt für Europa (ein Integrationsprogramm, Europa Union Verlag, Köln) Hrsg. Bildungswerk Europa Politik, Köln, Leinen 400 Seiten, DM 25,–

Layton zeichnet mit dem typisch britischen Realismus auf, was getan werden muß, um die Integration des westeuropäischen Industriemarktes und den Aufbau europäischer Unternehmen zu fördern – von den einzelnen Unternehmen und von ihren Regierungen. Seine Vorschläge sind, das Ergebnis mehrmonatiger Bemühungen, in Gesprächen und Interviews mit maßgeblichen Persönlichkeiten aus Industrie, staatlicher Verwaltung und europäischen Organisationen herauszufinden, wie sich Westeuropa der Herausforderung durch die amerikanische Technologie (die sowjetrussische und die japanische werden fast übergangen) erwehren kann.

Nach Laytons Ansicht hat Europa bis 1960 gegenüber dem amerikanischen Vorsprung kräftig aufgeholt, seitdem aber ist die technologische Lücke – entgegen den jüngsten Versicherungen des deutschen Forschungsministers Stoltenberg – wieder größer geworden, nicht zuletzt wegen der amerikanischen Reaktion auf die sowjetrussischen Versuche, wenigstens in der Luft- und Raumfahrt, der Elektronik wie in einigen anderen Schlüsselindustrien den Anschluß an die USA zu finden.

Zur amerikanischen Prosperität trugen im letzten Jahrzehnt aber auch die Direktinvestitionen in Westeuropa bei, die sich von 1957 bis 1965 verdreifacht haben und seitdem weiter gestiegen sind. Die Amerikaner finanzieren diese Investitionen zunehmend mit europäischem Kapital.

Amerikas Vorsprung beruht neben den Vorteilen, die ein großer Markt für 200 Millionen Menschen bietet, vor allem auf der schnelleren Auswertung schöpferischer Einfälle. Ideen einzelner Forscher werden in den USA von ein paar Dutzend Wissenschaftlern gemeinsam geprüft und im einzelnen ausgewertet. Ein paar hundert Experten entwickeln sie weiter, feilen sie aus und legen fest, wie sie mit dem neuen Produkt den Markt erobern wollen.

Die erforderliche Finanzkraft bringen meist nur große Unternehmen auf. Sie verfügen zudem über eine wohlorganisierte Absatzorganisation. Es entspräche aber nicht den Tatsachen, wenn man für das rasche Wachstum des amerikanischen Sozialprodukts nur solche "etablierten Riesen" verantwortlich machte. Für die technologischen Fortschritte sind kleine Firmen mindestens ebenso entscheidend. Die Produktion von Servolenkung, Kugelschreibern, Penicillin, Xerox-Vervielfältigung und Strahltriebwerken begann in Zwergbetrieben, die allerdings rasch wuchsen.

Daß diese "Kleinen" so rasch hochkamen, verdanken sie nicht zuletzt einer massiven staatlichen Förderung.