Nach Wochen des Schwankens und des Zögerns ist Premierminister Wilson scheinbar willens, eine "neue entschiedene Führerschaft" zu beweisen, die ihm politisch Kopf und Kragen kosten kann: Schatzkanzler Jenkins forderte die Bevölkerung am Montag vor dem Unterhaus nicht nur zum Sparen und Maßhalten auf, sondern kündigte vor allem Maßnahmen der Regierung gegen das ruinöse Streik-Unwesen an.

Wilson hatte sich schon am Wochenende nach einem erfolglosen Gespräch mit den Gewerkschaften auf einen harten Kurs eingeschworen. Aber sein Rückhalt wurde deshalb nicht fester: Innenminister Callaghan blieb bei seiner Opposition gegen die Vorschläge seiner streitbaren Kollegin Barbara Castle, die eine Urabstimmung und eine vierwöchige Abkühlungsfrist vorsehen. Die Gewerkschaftsführung versucht, Teile der Labour-Fraktion im Unterhaus auf ihre Seite zu ziehen. 16 rebellische Abgeordnete forderten am Montag eine gemeinsame Sitzung von Unterhausfraktion und Parteiführung – ein Ereignis, das zuletzt bei der großen Pfund-Krise 1931 eingetreten war. Sollte sich Wilson wirklich dazu entschließen, im Unterhaus ein Anti-Streikgesetz durchzupeitschen, könnte er sich eine Abstimmungsniederlage zuziehen. Diese Niederlage könnte Wilsons Rücktritt und Neuwahlen zur Folge haben.