Auszüge aus dem Text des umstrittenen Fernsehfilms

Von Joachim Fest

Deutschland erwache ... In dem Ruf artikulierte sich das Verlangen nach einfachen Lösungen in einer komplizierten Welt; das Bedürfnis, über ihren Ängsten, Spannungen und Konflikten eine gebietende Autorität aufzurichten. Das unbefriedigte Hingabebedürfnis einer neurotisch aufgebrachten Zeit war zu vergeben an den, der es haben wollte; wenn er den Menschen nur zurückgab, was sie entbehrten: Ziele, Anschaulichkeit, Enthusiasmus, Selbstbewußtsein, Ordnung. Die Gleichsetzung mit einer elementaren Kraft; den "großen Glücksschauer", wie es in einem zeitgenössischen Erlebnisbericht hieß.

Der Aufstieg Adolf Hitlers – vom "armen Teufel aus Braunau" zum Herrn über Deutschland, vom bayerischen Lokalagitator zum Beweger der Welt – ist eine der erstaunlichsten Karrieren der Geschichte. Mehr als irgendein anderer Staatsmann hat er die Phantasie seiner Zeit beschäftigt, – stärker sie das Fürchten gelehrt, suggestiver seine Ziele formuliert, obwohl sie eine Kampfansage an die Grundsätze der zivilisierten Welt bedeuteten.

Wie kein anderer wußte er seinen Machtanspruch mit den Bedingungen des historischen Augenblicks zu vereinen. Die pathetischen Neigungen der Epoche – aber auch ihr Schundcharakter, und das eine im anderen, haben durch ihn ihren überzeugendsten Ausdruck gefunden.

Er brachte ein charakteristisches Element nicht nur des deutschen, – sondern des Epochenbewußtseins zum Vorschein. Wie in Aufstieg und Triumph, so war er auch im Zerstörerischer, das Staunen der Welt. Niemals war die Entfaltung so unglaublicher destruktiver Energien gesehen worden. Er hat die Fortschrittsidee mitsamt den Resten eines optimistischen Menschenbildes für lange desavouiert.

Und kaum einer, der ihm dabei nicht bereitwillig geholfen hätte: Honoratioren und Proletarier, Reichswehroffiziere und Diplomaten, Staatsmänner von Chamberlain bis Stalin. Und vor allem und bis zum Ende: das deutsche Volk.