Viren, die für eine Affenart völlig harmlos sind, lösen, anderen Arten injiziert, Krebs aus. Von diesem ersten gesicherten Fall einer virusinduzierten Krebsentstehung bei Primaten berichteten Forscher der Harvard-Universität auf der Jahrestagung der "International Academy of Pathology" in San Franzisko.

Das in Totenkopfäffchen (Saimiri scirueus) latent vorkommende Virus Herpes saimiri – es wird vom Wirtsorganismus ständig in geringem Maße vermehrt, ohne ihn sichtlich zu schädigen – erwies sich nach Injektion in die Muskulatur von Seidenäffchen (Saguinus oedipus) und Eulenaffen (Aotus trivirgatus) als für diese Arten stark krebserzeugend. Im typischen Fall äußerte sich die Krebserkrankung zum Beispiel im Auftreten neoplastischer (abnormer) Zellen in den meisten Organen und Geweben, begleitet von einer ungewöhnlichen, bis zu fünffachen Vergrößerung der Milz und der Lymphknoten.

Organe, wie Niere, Leber, Lunge ebenso wie Speicheldrüsen, Prostata und Augengewebe, zeigten sich von Zellen überschwemmt, die in ihrem Aussehen (wenig Zytoplasma und große Zellkerne) dem Zelltyp vieler menschlicher Tumoren sehr ähneln. Wie die Forscher betonten, ist es ihnen trotz vieler Versuche bisher nur in zwei Fällen gelungen, das Virus aus Organen verstorbener Versuchstiere wiederzugewinnen, ein Faktum, das auch bei anderen tumorerzeugenden Viren – zum Beispiel SV-40-Virus und Adenoviren – zu beobachten ist. Die Tatsache, daß die allermeisten Versuche einer Virusisolierung aus Krebsgewebe erfolglos bleiben, spricht also nicht gegen die Annahme einer Virusinfektion als häufige Krebsursache.

Harvard University Press Release, 13. März