Knapp drei Wochen, bevor 29 Millionen Franzosen über die Umwandlung des Senats und die Regionalreform abstimmen werden, versuchte General de Gaulle das Referendum zur nationalen Schicksalsfrage hochzuspielen. Am vorigen Donnerstag sagte er in einem Rundfunk- und Fernseh-Interview: „Von der Antwort, die das Land auf die von mir gestellte Frage gibt, wird die Fortführung meines Mandats oder mein sofortiger Rücktritt abhängen.“

Da das Referendum zwei völlig verschiedene Probleme koppelt, die den Franzosen in einer sechzehnseitigen Broschüre dargelegt werden, kann die indifferente „Ja – Nein“-Abstimmung in der Tat nur den Charakter eines pauschalen Plebiszits für oder gegen de Gaulle haben. Die Pointierung, die ihm der General mit seiner Rücktrittsdrohung gab, hat die Opposition aufgestachelt.

Jacques Duhamel, Führer der liberalen Mitte, beschuldigte den Staatspräsidenten, er habe das Referendum „denaturiert“. Der frühere Staatspräsident Monnerville nannte die Abstimmung „illegal, verfassungswidrig und unfair“. Neben den Sozialisten wollen jetzt auch die Unabhängigen Republikaner unter Giscard d’Estaing gegen de Gaulle votieren. Sollte dem General wirklich eine Niederlage widerfahren, dürfte sein ehemaliger Premierminister Georges Pompidou als Nachfolger bereitstehen.