Von Petra Kipphoff

Mittelpunkt seiner Arbeiten und Untersuchungen gemacht hat, ist Dr. med., Galerist und ausübender Künstler. In seiner Kellergalerie in der Münchner Franz-Joseph-Straße zeigte er in den vergangenen Jahren schon mehrfach Ausstellungen zum Thema "Kunst der Geisteskranken" (nicht, ohne immer wieder darauf hinzuweisen, daß das eine Gleichung mit zwei Unbekannten sei), dann hat er, wenn man so will, die Geschichte umgedreht, hat ein Experiment gemacht mit Künstlern, die freiwillig und unter seiner Kontrolle LSD eingenommen und sich unter diesen ungewohnten Umständen an ihre gewohnte Arbeit gemacht haben.

Die Frage ist nicht neu, stand immer im Hintergrund, wenn es, zum Beispiel, um Erklärungen für die altmexikanischen Kulturen, für die Bilder von Hieronymus Bosch oder die Texte Charles Baudelaires ging, darf aber in einer Zeit, in der eine ganze Generation dabei ist, sich auf den trip zu begeben, mit einem besonders großen und hoffentlich allmählich auch sachlicheren Interesse rechnen: Was bewirken halluzinogene Drogen bei Menschen, denen man ohnehin eine größere Sensibilität, eine nicht mit den Maßstäben des sogenannten gesunden Menschenverstandes zu messende Bewußtseinsstruktur nachsagt? Wirken Psycholytica hier zerstörend, intensivierend, oder können sie vielleicht gar dem bis dato künstlerisch nur mäßig produktiven Menschen zu seinem leicht verschütteten Genie verhelfen – eine Version, die, wenn auch unter leichtem Begleitschauder, noch am ehesten auf ein Zustimmung nickendes Publikum rechnen könnte.

Die Produkte, die zur Zeit in der Frankfurter Galerie Brumme gezeigt werden, sind weniger sensationell, als es die Fanatiker des Pro und Kontra gern hätten (weil weniger extrem als die Theorien, die sich eine aufgescheuchte Phantasie da so vorher zusammenbastelt), geben überhaupt kein eindeutiges Ergebnis her und sind doch mehr als ein buntes Bündel, das genauso viele Fälle enthält wie am Experiment beteiligte Künstlernamen. Und obwohl ein Versuch mit zwanzig Künstlern kaum ausreicht, um wissenschaftlich relevante Schlüsse zu erlauben, so garantiert die Sorgfalt, mit der Hartmann diese Untersuchungen vorbereitet und durchgeführt hat, doch eine gewisse Verbindlichkeit seiner Ergebnisse.

Für jeden seiner "Fälle" hat Hartmann sich rund eine Woche Zeit genommen, die Dosierungen wurden erst nach langen Gesprächen und unter Berücksichtigung der individuellen Konstitution festgelegt, während des Experiments war Hartmann anwesend und führte Protokoll. Was passiert, wenn ein Künstler LSD nimmt, was passierte, zum Beispiel, mit Hundertwasser, Hoehme, Goetz, Grzimek, Trökes, Hrdlicka, Häfner? Wie arbeiten sie mit, wie ohne LSD, Belege für beides sind in Frankfurt nebeneinander aufgehängt.

Es gibt, sie sind in der Minderzahl, extreme Reaktionen. Die offensichtlich höchst normale Konstitution eines Friedrich Hundertwasser wehrte die versuchte Irritation der eigenen gesunden Phantasie höchst erfolgreich ab: Hundertwasser wurde es einfach speiübel, er lehnte es ab, in dieser Verfassung zu arbeiten, fluchte wie ein Bataillon Holzhacker und erklärte das Unternehmen für beendet. Ohne sichtbares Ergebnis blieb auch das Experiment im Fall von Gerd Hoehme: Starke Nackenkopfschmerzen, die wahrscheinlich psychosomatisch auf Kriegserlebnisse zurückzuführen sind, machten ihm jede Aktivität unmöglich.

Von diesen extremen Einzelreaktionen einmal abgesehen, ließen sich jedoch durchaus typische Ergebnisse registrieren.