Von François Bondy

Slawomir Mrozek hat vier Jahre an der italienischen Riviera gelebt und wohnt seit einigen Monaten in Paris. Obgleich in Frankreich die Verleger sich oft scheuen, Novellen zu drucken, bildet Mrozek eine Ausnahme. Zwei Bände seiner Erzählungen sind erschienen und haben beifällige Aufnahme gefunden. Als Bühnenautor hat Slawomir Mrozek sich in Paris sowohl mit den kürzeren Stücken wie mit "Tango" durchgesetzt, nach einem ersten Mißerfolg mit dem Stück "Die Polizei" vor acht Jahren. Heute ist er in Paris einer der bekanntesten Bühnenautoren. Sein neuestes Stück, "Noch einmal von vom", ist allerdings bei Stroux in Düsseldorf uraufgeführt worden, wie das offenbar zur Tradition in Paris lebender Theaterautoren gehört. Slawomir Mrozek ist achtunddreißig Jahre alt und somit, wie er selber unterstreicht, Generationsgenosse von Harold Pinter. Im Gespräch ist er nicht eigentlich schüchtern, sondern sehr bestimmt, zugleich aber zurückhaltend und zögernd, fast spröde. Er hat bisher noch niemals Interviews gegeben oder ein zur Veröffentlichung bestimmtes "Gespräch" geführt, und er hatte eigentlich keine rechte Lust, daran etwas zu ändern. Ohne die Geburtshilfe des bei unserem Gespräch anwesenden Konstantin Jelenski – eines polnischen Kunstschriftstellers, der seit langem in Paris lebt und dem unter anderem das entscheidende Verdienst am Bekanntwerden von Witold Gombrowicz zukommt – wäre die Unterhaltung, die ich selber ausführlicher gewünscht hätte, früh ins Stocken gekommen. Wenn Mrozek sich nicht gern erklärt, so mag das auch daran liegen, daß seine Erzählungen und Stücke eine deutliche satirische Richtung haben und daß er keine Lust hat, sich an einer "Entschlüsselung" zu beteiligen, die nur eine Abschwächung des Vertrackten ins oberflächlich Eindeutige und eine Festlegung jenseits des Literarischen bedeuten könnte. Auch sieht Mrozek seine Werke nicht als Rätsel, die nach Auflösung verlangen, oder als Zeugnisse, die durch Meinungen verdeutlicht werden müßten.

Wir unterhielten uns zunächst auf italienisch, eine Sprache, die Mrozek noch jetzt viel besser beherrscht als die französische, doch wollte er dann ins Englische übergehen, das ihm seit seiner Kindheit vertraut ist und worin er sich in der Tat sehr sicher ausdrückt.

Wie war es nun in Düsseldorf mit Ihrem neuen Stück?

SLAWOMIR MROZEK: Nun, ich fand das Publikum sehr aufmerksam, höflich im Applaus, um Verständnis bemüht. Bei der Premiere – aber nur da – kam es zu einer Art von Zwischenfall durch einige Buh-Rufer – fünf, so schien es mir –, und die örtliche Presse hat den Vorfall, der auf mich nicht den Eindruck von etwas Spontanem und Unvorbereitetem machte, vielleicht überschätzt.

Dieses Stück ist eine Komödie, in welcher das als Frau verkleidete Gespenst des verstorbenen Diktators auftritt und einen Mann, der eben im Begriff ist, seine Schwiegertochter zu verführen, an die einst nur ihm geschworene Liebe mahnt.

MROZEK; Im wollte ein politisches Thema streng in die Form des Pariser Vaudeville, der erotischen Komödie, zwingen, weil das Absurren eines solchen Mechanismus diese eigenartige Situation in grotesker Weise noch spürbarer und klarer macht. Mein Eindruck war, daß dieses zur Komödie gewendete erotisch-politische Thema ein gewisses Unbehagen erzeugt hat. Hier wird das Verhältnis der Leute zum einstigen Diktator nicht auf Betrug, Zwang, Illusion, Unwissenheit und was sonst noch zurückgeführt oder auf irgendeine Art von Irrtum, sondern als ein Liebesverhältnis gezeigt. Die Erotik der Diktatur ist aber das, woran man offenbar besonders ungern erinnert wird. Es ist zwar eine Banalität zu sagen, daß die verschiedenen Führer und Diktatoren "geliebt" wurden – zeigt man es aber, so verbreitet es Malaise.