Der Frühjahrsputz ist schuld. Erstmals hat Hannover in diesem Jahr Schwierigkeiten, die 25 000 Privatquartiere zwischen Hannover, Goslar und Braunschweig bereitzustellen, die während der Messe durch das städtische Amt für Verkehrsförderung vermittelt werden.

Der Winter war in Norddeutschland hart und lang. So ist man auch im Raum Hannover mit dem jährlichen Großreinemachen in Verzug gekommen. Fremde aufzunehmen, solange die Gardinen nicht frisch gewaschen und die Teppiche nicht gründlich geklopft sind, verstößt aber gegen den Ehrenkodex einer hannoverschen Hausfrau.

Selbst die Aussicht auf den Verdienst ist offenbar nicht lockend genug. Sieben bis fünfzehn Mark kosten die Betten pro Nacht, je nachdem, in welche Kategorie die städtischen Gutachter die Quartiere einordnen. Den Preis für ein deutsches Einheitsfrühstück hat man auf 2,50 Mark festgesetzt.

Nach Schätzungen des Verkehrsamtes werden weitere 75 000 Privatbetten in Anspruch genommen, ohne daß eine Vermittlung und damit auch Preisfestsetzung durch die Stadt erfolgt. Insgesamt entfallen etwa 500 000 Übernachtungen auf Privatquartiere und lassen damit die Einwohner Hannovers und seiner weiteren Umgebung an den Segnungen der Messe teilhaben.

Zunächst und vor allem pflegen sich aber die Hoteliers und Gastronomen zu segnen. Fast so alt wie die Messe sind die Klagen über zu hohe Preise, und fast so alt sind auch die Versuche der Stadt Hannover, Auswüchse in der Preisgebarung einzudämmen.

Fragt man danach, wie die Messeaufschläge nun konkret aussehen, dann beginnt in Hannover das "große Schweigen". Bei der Stadt hüllt man sich in Schweigen, weil man das ohnehin etwas gespannte Verhältnis zum Hotel- und Gaststättenverband nicht weiter belasten möchte und eine Klage wegen Geschäftsschädigung fürchtet. Beim Hotel- und Gaststättenverband findet man schlicht, daß es darüber nichts zu schreiben gäbe, da das ja ohnehin altbekannt sei.

Im übrigen hat der Hotel verband "keine Vorstellungen" darüber, wie hoch die Messezuschläge seiner Mitglieder ausfallen. Dafür weiß der Herr am Telephon aber gleich eine ganze Reihe von Gründen aufzuzählen, warum die Preise während der Messe so hoch sein müssen: "Die Gäste sind ja auch selbst schuld. Die wollen ja alle nicht mehr Schweinebauch oder so was essen, sondern nur noch Filetsteaks."