Der Präsident der Handelskammer von Straßburg klagte: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann sind wir in weniger als zehn Jahren voll germanisiert."

Noch 1955 waren über 3000 Deutsche in elsässischen Unternehmen beschäftigt gewesen. Dann trat eine Wende ein. Während in den Räumen Karlsruhe und Stuttgart neue große, leistungsfähige Unternehmen entstanden, mußten zahlreiche kleine Betriebe im Elsaß und in den Vogesen ihre Tore schließen.

Heute verdienen rund 15 000 Elsässer ihren Lebensunterhalt in der Bundesrepublik. Deutsche Arbeitgeber organisieren Sammeltransporte und bieten den deutschsprachigen Franzosen eine kürzere Arbeitswoche (42 statt 48 Stunden im Elsaß) und mehr Geld.

Gleichzeitig investieren deutsche und schweizerische Unternehmer im Elsaß. Die Deutschen errichteten dort 78 neue Fabriken und sind an der Schaffung von rund 30 000 neuen Arbeitsplätzen zwischen 1955 und 1968 mit rund 30 Prozent beteiligt. Die Schweizer finanzierten davon noch einmal acht Prozent.

Es werden heute im Elsaß für den europäischen Markt Schuhe (Adidas, Salamander), Reifen (Continental) und Fertighäuser (Okal) produziert. Die deutschen Unternehmer lockt die zentrale Lage des Elsaß für den europäischen Markt. Diese noch zum Teil stark unterentwickelte Region bietet Grundstücke zu niedrigen Preisen, Finanzierungsvorteile und tüchtige Arbeitskräfte, die im Durchschnitt um 25 Prozent billiger sind als in Baden-Württemberg.

Auch der elsässische Handel hat Grund genug zu klagen. Die Elsässer kaufen lieber in Kehl, Offenburg, Freiburg und Karlsruhe ein – weil es dort im Durchschnitt um 20 Prozent billiger ist als in den Warenhäusern Straßburgs.

Statt zu modernisieren und der deutschen Herausforderung entgegenzutreten, wandten sich Industrielle und Händler an die französische Regierung.

Aus Paris aber kam eine kühle Antwort: "Im Zeichen des gemeinsamen Marktes kann es sich nicht darum handeln, durch wirtschaftliche Subventionen eine neue Maginot-Linie gegen die deutsche und schweizerische Konkurrenz aufzubauen." So Olivier Guichard, der französische Minister für Raumordnung. S.S.