Die Forderung der Bundesassistentenkonferenz, bis zum 30. Juni dieses Jahres eine Bundeshochschulkonferenz einzuberufen, zeichnet sich durch einen gewissen Überschuß an Wagemut aus, der ihren Gesprächspartnern im hochschulpolitischen Bereich schon längst verlorengegangen zu sein scheint. Als das Projekt der Assistenten am Dienstag auf der 72. Rektorenkonferenz diskutiert wurde, reagierte die Mehrheit der Rektoren denn auch zuerst einmal mit äußerster Skepsis. In Windeseile war der Tagesordnungspunkt "Bundeshochschulkonferenz" auf die Frage seiner politischen Realisierbarkeit reduziert, die nach Meinung der Rektoren in der derzeitigen Situation nur negativ beantwortet werden kann.

Die Bundesassistentenkonferenz, deren hervorstechendstes Merkmal ein fast ungetrübter Glaube in die nötigende Macht der Vernunft ist, sah sich durch diese Reaktion jedoch nur bestätigt in ihrer Auffassung, daß die Fronten jetzt steif genug sind, um den Versuch zu wagen, sie aufzubrechen. Genau das war ihr Ansatz gewesen, als sie das Unternehmen auf ihrer Dritten Vollversammlung am 12. März in Bad Godesberg diskutierte. Folgende Gründe sprechen ihrer Meinung nach für die Einberufung einer Bundeshochschulkonferenz:

  • die manifesten und latenten Konflikte zwischen den Gruppen der Hochschule;
  • die umstrittene Stellung und Funktion der Hochschule in Staat und Gesellschaft;
  • die mangelnde Verdeutlichung der hochschul- und bildungspolitischen Aufgaben in der Öffentlichkeit.

Aufgabe einer Bundeshochschulkonferenz wäre für sie, "den Reformmonolog der Gruppen und Instanzen durch ein Gespräch der beteiligten Partner zu ersetzen", in dem die bereits vorliegenden Reformentwürfe erörtert, die den Sachdifferenzen zugrunde liegende Motivation offengelegt und gemeinsam anerkannte Reformziele mit der notwendigen Reformstrategie erarbeitet werden sollten.

Die Bundesassistentenkonferenz erstrebt damit nicht mehr und nicht weniger als "einen neuen Anfang im Widerspiel von Aktion und Reaktion im Bereich der Hochschule". Es ist vielleicht verständlich, daß die im hochschulpolitischen Kleinkrieg fixierten Rektoren, aber auch die Kultusminister, die die BAK ebenfalls für die Idee einer Bundeshochschulkonferenz gewinnen wollte, mit einem gewissen Schock auf soviel offenkundigen Idealismus reagieren.

Was hingegen die Assistenten erschreckte, die mit diesem Vorschlag nach einjährigem Bestehen ihres Verbandes zum erstenmal im großen Stil in die Diskussion der Reformer eingriffen, war der von ihnen konstatierte Mangel, an voraussetzungsfreier Gesprächsbereitschaft bei ihren Partnern, die die Chancen einer Bundeshochschulkonferenz vornehmlich unter taktischen Gesichtspunkten beurteilen. So war andererseits für die Westdeutsche Rektorenkonferenz klar, daß nicht die Assistenten es zu sein hätten, die, falls doch noch ein Gespräch zustande kommen sollte, dazu einluden. Denn ganz vom Tisch gewischt wurde der Vorschlag der Assistenten am Dienstag doch nicht.

Die Rektoren beschlossen, zusammen mit den Hochschulverbänden zu einer Klausurtagung einzuladen, auf der Professoren, Assistenten und Studenten gemeinsam einen Konsensus über die vorliegenden Reformvorschläge erzielen und Dissense klären sollen. Auf diese Weise soll versucht werden, die Universitäten zu einer Einheit zu formieren, ehe die politischen Partner in Bund und Ländern zum Reformgespräch hinzugezogen werden.