Von Ferdinand Lundberg

Nachdem wir bisher das Vorfeld des amerikanischen Reichtums rekognosziert haben und dabei auf riesige Summen, auf dollarschwere Leute gestoßen sind, werden wir nun die eigentlichen Bastionen des amerikanischen Kapitalismus untersuchen.

Jene vier Mitglieder der Familie Du Pont, die auf der Fortune-Liste derjenigen großen Erben erwähnt sind, die ein Vermögen von mindestens 75 Millionen Dollar in Händen halten, besitzen zusammen ein Vermögen, das auf wenigstens 600 Millionen und höchstens 1,2 Milliarden Dollar geschätzt wird. Aber gerade hier wird deutlich, wie leicht man das Dollar-Imperium einer Familie unterschätzen kann, wenn man nur ihre prominentesten Mitglieder bewertet.

Denn es gibt noch eine ganze Reihe von reichen Du Ponts. Es mag sein, daß nicht jeder von ihnen 75 Millionen besitzt, aber viele aus dieser Gruppe, sie umfaßt 1600 Abkömmlinge des Stammvaters Pierre-Samuel Du Pont (1739 bis 1817), halten doch immerhin kleinere Vermögen in Händen, die direkt oder indirekt aus der gesamten Finanzmasse der Familie Du Pont stammen. Zum Beispiel erwähnt die Fortune-Liste eine ganze Galerie von überaus aktiven und dollarschweren Familienmitgliedern nicht, die den Namen Du Pont bekamen oder ihren eigenen Namen in die goldene Dynastie einbrachten, indem sie Mitglieder der Familie Du Pont heirateten. Sehr häufig allerdings heirateten die Mitglieder der Mammutsippe Du Pont untereinander.

Die finanzielle Elite dieses Clans wird auf 250 Personen geschätzt, "und ihnen gehören die meisten Familienreichtümer Dementsprechend darf man 250 große und viele kleine Du Ponts unterscheiden.

In einem Zeitalter großer Kriege wuchs ein Rüstungskonzern wie Du Pont in astronomische Höhen, erreichte seine größten Wachstumsraten im Ersten Weltkrieg und stärkte so seine Kraft, um schließlich in vier der größten Wachstumsindustrien festen Fuß zu fassen: in der Chemie, im Automobilbau, in der Erdölförderung und -Verarbeitung sowie in der Gummierzeugung.

Die Du-Pont-Vettern sind durch ein enges Netzwerk von Du-Pont-Tochtergesellschaften und Treuhandfonds miteinander verbunden. Die Familienunternehmungen arbeiten unter einem Familienoberkommando und geben dem Konzern so eine einzigartige wirtschaftliche Schlagkraft. Noch einmal: Man gerät leicht in Gefahr, einem Zerrbild zu erliegen, wenn man nur jeden einzelnen dieser steinreichen Vettern für sich betrachtet. Das führt deshalb zu falschen Schlüssen, weil man auf diese Weise nur die Spitze des riesigen Eisberges sieht, während der sehr viel größere Teil unter der Oberfläche verborgen bleibt.