Neue Universitäts-Gesetze stehen überall bevor und werfen viele Fragen auf – beispielsweise die:

Der Versuch unreformierter Landeskultusverwaltungen, reformierte Hochschulgesetze zu formulieren, hat verteufelte Ähnlichkeiten mit dem bekannten Münchhausen-Manöver, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.

Die Freie und Hansestadt Hamburg gibt jetzt als erste das bürgerliche Trauerspiel: wie durch gutgemeinte Reformparagraphen auf allen Seiten Mißtrauen und Verwirrung gestiftet werden kann. Im Laufe der nächsten Monate wird das gleiche Spiel über die Bühnen anderer Bundesländer gehen.

Vom verbalen Tarnungskleister befreit, also journalistisch darstellbar sind immer nur einzelne Aspekte eines Klitterwerks, das selbst seinen Autoren Kopfschmerzen macht.

Die Fülle der "Unterlagen" allein für den Hamburger Gesetzentwurf, mit all den Reform-Vorschlägen, die ihm vorangegangen sind, läßt sich am ehesten in Kilo angeben (fünfeinhalb, schätze ich). Die Zahl der Menschen, die das alles gelesen haben, kann nicht größer als zweistellig sein. Und wer sich angesichts der verfahrenen Situation noch einen Rest hohen Mutes bewahrt hätte, könnte nach berühmten Mustern sagen: verstanden haben das alles nur zwei – und der andere ist darüber verrückt geworden.

Mit Fachbereichen, Institutsräten, paritätischer Besetzung, Kollegialprinzip, Ordnungsrecht, Wirtschafts- und Personalverwaltung und wie die Schlagwörter alle heißen ist – so findet man bald heraus – eben viel weniger gesagt, als Optimisten angenommen haben mochten. Immer handelt es sich zunächst nur um leere Begriffe, deren Inhalt keineswegs eindeutig festliegt, sondern in jedem Falle erst gefunden und definiert sein will.

Da gab es also in der Theorie eine schöne, scheinbar bundesweite Übereinstimmung, daß die moderne Universität, ein Betrieb von der Größe eines stattlichen Industrieunternehmens mit immerhin zwischen 20 000 und 30 000 Beschäftigten, nicht länger von Amateuren geleitet werden kann, die sich einbilden wollen, nebenher auch noch mit Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Sinologie oder der Pathologie Schritt halten zu können, sondern von einem Fachmann.