Anthony Sampson: "The new Europeans"; Hodder & Stoughton, London 1969, 58 sh.

Der Verfasser der viel gelesenen "Anatomie Großbritanniens" inspiziert diesmal die westeuropäische Landschaft. Dabei denkt er gründlich über die Stellung Englands und dessen europäische Zukunft nach. Auf dieser intellektuellen Höhenwanderung soll der englische Leser erkennen, daß Europa nur dann eine Zukunft besitzt, wenn England gleichberechtigtes Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wird.

Sampson macht sich freilich von den eigenen Landsleuten allzu optimistische Vorstellungen, die man ihm auf dem europäischen Festland nicht einmal mehr mit einem inflationistischen Preisnachlaß abnehmen dürfte. Er übersieht wohl bewußt den erheblichen Prozentsatz jener Briten, die es ablehnen, sich in Europa eingemeinden zu lassen. Keine britische Regierung seit 1959 hat es gewagt, diese fundamentale Frage des Beitritts zum Gegenstand parlamentarischer Wahlen zu machen.

Es bleibt auch fraglich, ob die britische Mitgift innerer Stabilität und Kontinuität, Dezentralisierung und Selbstbestimmung genügen wird, die Bedenken der europäischen Manipulanten gegen einen Beitritt Englands auszuräumen. Und in England wiederum weiß man, wie gering und dünn die kollektive Stimme der Wirtschaftsgemeinschaft in den politischen Angelegenheiten der Welt tönt.

Sampson hat einen überaus instruktiven Reiseführer geschrieben, aus dem man sehr viel lernen kann. Leider legt er auch gleichzeitig einen Fahrplan vor, der seit der Währungskrise im November schon nicht mehr gilt. Alex Natan