Gegen bremsende Eingriffe in die konjunkturelle Entwicklung wandte sich Professor Karl – Winnacker, Vorstands Vorsitzender der Farbwerke Hoechst AG, bei der Vorlage des Geschäftsberichtes für 1968. Die Maßnahmen der Bundesregierung hätten, sich verzögernd auf die Planungen, von Investitionen. und Produktion ausgewirkt, obwohl ein weltweiter Mangel an chemischen Erzeugnissen. registriert werden müsse:

Auf Grund dieser Verzögerungen sei es trotz der stärken Nachfrage und trotz aller Anstrengungen nicht möglich gewesen, die Investitionen über das bereits zum Jahresbeginn vorgesehene Ausmaß hinaus zu steigern. Das sei um so bedauerlicher gewesen, als die Produktion und damit der Umsatz nur über eine Erweiterung der Kapazitäten zu erhöhen sei, da das Arbeitskräftepotential praktisch vollständig ausgenutzt sei und die Produktionsanlagen in dem außerordentlich erfolgreichen Jahr 1968 bereits zu hundert Prozent ausgelastet waren.

Auf diesem Hintergrund fällt die Prognose für die Umsatzentwicklung im laufenden Jahr denn auch überraschend bescheiden aus. Winnacker, der nach der Hauptversammlung am 3. Juni den Vorstandsvorsitz an Dr. Rolf Sammet abgeben wird, erwartete eine zwölfprozentige Steigerung nach 20 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr. Das würde den Konzernumsatz auf 7,5 Milliarden, den Weltumsatz nahe an 9 Milliarden Mark bringen.

Es sei zweifelhaft, ob dieser geschätzte, durch die Kapazitäten begrenzte Zuwachs übertroffen werden kann, denn, der Investitionsboom habe zu Lieferschwierigkeiten und zu einer Verlängerung der Lieferfristen der Maschinenbauindustrie geführt. Das Investitionsprogramm sehe 1968 für Sachanlagen im Inland 800 Millionen Mark vor, knapp 150 Millionen mehr als im Vorjahr. Für Beteiligungen im In- und Ausland sind 300 Millionen nach.570 Millionen im Vorjahr angesetzt. Die Aufwendungen von 1968 waren durch den Erwerb der Süddeutschen Chemiefaser AG besonders hoch. Winnacker ließ allerdings offen, ob die vorgesehenen 300 Millionen nicht durch den Erwerb neuer Beteiligungen möglicherweise überschritten werden. Bis 1973 will Hoechst im In- und Ausland insgesamt 5,5 Milliarden Mark investieren. mh