Sehr sehenswert:

"Geraubte Küsse", von François Truffaut. Wiedersehen mit Antoine Doinel, dem Jungen aus "Les 400 coups", Truffauts Debütfilm. Dem Kommiß glücklich entronnen, wird er Privatdetektiv. Das ermöglicht es Truffaut nicht nur, eine Fülle von Geschichten zu bündeln, es verleiht allem einen ostentativ fiktiven Charakter. Doinel muß die verschiedenen Berufe nur spielen, die er als "Periskop", als eingeschleuster Beobachter, auszuüben hat. Das Spiel kommt seiner Natur entgegen (und Jean-Pierre Léaud ist ein Schauspieler, wie das Kino heute keinen zweiten hat) – nur vergißt er darüber, daß er, als Detektiv, doch dem Leistungsprinzip unterworfen ist. Er spielt auch den Detektiv nur und glaubt, ungefährdet das Genre wechseln, aus der Detektivgeschichte in einen Liebesroman desertieren zu dürfen. Der Film reiht seine Geschichten – erzählte, gelesene, erlebte – nicht, sondern verschachtelt sie radikal; immer wiederholt, variiert, spiegelt eine die andere. Und so schnell schnurren sie ab, daß nicht mehr die einzelne Anekdote, sondern nurmehr die Überlagerungen zu erkennen sind, wie die synthetischen Farben auf der stroboskopischen Scheibe. "Alles geschieht, während man schaut", schrieb Truffaut über Lubitsch und beschrieb damit sein eigenes Verfahren. Ein Film, dessen Kraftstrom das Gehirn ganz und gar durch die Augen erreicht – das ist selten geworden.

"Die Chronik der Anna Magdalena Bach" und "Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter", von Jean-Marie Straub. "Paris gehört uns", von Jacques Rivette. "Gertrud", von Carl Th. Dreyer. "Schande", von Ingmar Bergman. "Falstaff", von Orson Welles. "I a Man", "Bike Boy" und "The Nude Restaurant", von Andy Warhol. "... denn sie wissen nicht, was sie tun", von Nicholas Ray. "The Thin Man – Der Unauffindbare", von W. S. Van Dyke.

Im Fernsehen: "Die scharlachrote Kaiserin" (1934), von Josef von Sternberg. Aus der Bewegung der Schaukel, in der die junge Prinzessin sitzt, wird die Bewegung eines Klöppels, der in einer Glocke schwingt – der Klöppel ist ein Mensch, der mit dem Kopf nach unten hängt. Das unschuldige Jungmädchenvergnügen schlägt um in die Unmenschlichkeit, die das Zarenreich regiert. Und aus der Prinzessin Sophie Friederike wird die Gewaltherrscherin Katharina. Bei der Hochzeitszeremonie wird Marlene Dietrichs Porträt zur Ikone – die Starrheit wird der Zarin zur Natur. Durch den ganzen Film hindurch ziehen sich diese Wechselbeziehungen zwischen Bewegtem und Starrem, spiegelt sich Lebendiges in Totem und umgekehrt. Die Herrschaft starrer Ordnung über den Menschen und dessen Fähigkeit, sich ihr anzupassen, ist das – ganz in Form übersetzte – Thema des Films. WDR III am 26. April

Sehenswert:

"Michael Kohlhaas der Rebell", von Volker Schlöndorff. "Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß", von Jean-Luc Godard. "Teorema", von Pier Paolo Pasolini. "In der Stadt S.", von Jossif Cheifiz. "Spartacus" und "2001: Odyssee im Weltraum", von Stanley Kubrick. "Rosemaries Baby", von Roman Polanski. "Der Partyschreck", von Blake Edwards. "Bullitt", von Peter Yates.

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