Die deutschen Großbanken rüsten sich für ihre 100jährigen Jubiläen. Bei der Commerzbank und der Deutschen Bank ist es im nächsten Jahr soweit, die Dresdner Bank hat noch bis 1972 Zeit. Alle drei Institute machen schon heute ihren Aktionären den Mund wegen der zu erwartenden Geschenke wässerig. Vielleicht ist es gut, sich ins Bewußtsein zu rufen, daß die Aktionäre die Inhaber der Banken sind, daß nicht die von ihnen beauftragten Vorstände ihnen Geschenke anzubieten haben, sondern daß die Aktionäre sich die Geschenke selbst machen müssen. Theoretisch wandern die Jubiläumsgeschenke nur von der rechten in die linke Tasche.

Ein anderes Problem, über das sich in diesem Zusammenhang nachzudenken lohnt: Ist es eigentlich sachlich gerechtfertigt, das 100. Geschäftsjahr zum Anlaß zu nehmen, den Aktionären mehr als sonst vom Jahresgewinn auszuschütten? Sollte es nicht vielmehr so sein, daß für die Ausschüttungs- und Kapitalpolitik ausschließlich sachliche Gründe maßgebend sind? In unserer Zeit, in der gefühlsbedingte Argumente eine so wichtige Rolle spielen, erscheint diese Frage vielleicht schon als ketzerisch.

Heute sucht man nach Festen so lange, bis sie fallen. Und das trifft natürlich auch für die Belegschaften der Unternehmen zu, die sich mit Sicherheit für die Jubiläen einiges ausrechnen. Spötter meinen sogar, daß ihr Drängen auf Jubiläumsgeschenke überhaupt der Ausgangspunkt für alle aktionärsfreundlichen Überlegungen sind. Denn wenn man sich selbst großzügig bedenkt, kann man die Aktionäre, die Inhaber, nicht ganz und gar vergessen. Schließlich müssen sie die Rechnung allein bezahlen, natürlich unterstützt vom Finanzamt, das durch den Verzicht auf Gewinnsteuern mit von der Partie ist.

Wie die Geschenke für die Aktionäre bei den Großbanken aussehen werden, weiß noch niemand. Darüber besteht in den Vorständen auch noch keine Einmütigkeit. Zwischen einem saftigen Bonus und Gratisaktien gibt es viele Varianten, doch wird man sich wohl für eine dieser beiden Möglichkeiten entscheiden müssen.

Die Rechner unter den Vorständen plädieren für einen runden Bonus. Er hat den Vorteil, daß er einmalig bleiben kann und wegen der höheren Ausschüttung im Jubiläumsjahr (ausgeschüttete Gewinne, unterliegen einem niedrigeren Steuersatz als einbehaltene Erträge) zu einer ins Gewicht fallenden Steuerersparnis führt.

Gratisaktien – sie entstehen durch Umwandlung versteuerter Rücklagen in dividendenberechtigtes Aktienkapital – sind auch in den auf das Jubiläumsjahr folgenden Jahren dividendenpflichtig, ein Vorteil für den Aktionär, ein Nachteil für die Bank, die die Gratisaktien künftig mit 17 bis 18 Prozent Dividende bedienen muß, ein Satz, dessen Erwirtschaftung erheblicher Anstrengungen bedarf.

Eines steht heute schon fest: Die Diskussionen über die zu erwartenden Jubiläumsgeschenke werden zur Stabilisierung der Kurse der Großbankaktien beitragen, ja sie immer mehr beflügeln. Am wenigsten zunächst bei der Dresdner Bank, die in der glücklichen Lage ist, abwarten zu können, was ihre Konkurrenten machen.