Deutschlands Atomforscher können sich nicht entscheiden. In der politisch umstrittenen Frage einer deutschen Unterschrift unter den Atomsperrvertrag umgehen sie ein klares Ja oder Nein. Auf der diesjährigen Reaktortagung in Frankfurt stellten sie eine Reihe von Forderungen auf, die nach ihrer Ansicht erfüllt werden müßten, sollen die künftigen Exportchancen der westdeutschen kerntechnischen Industrie nicht einschneidend geschmälert werden.

Zugleich aber stellt das deutsche Atomforum fest, es sei eine politische Frage, ob die Klärung der umstrittenen Punkte vor der Unterschrift unter den Vertrag oder erst vor der Ratifizierung erfolgen sollte. Mit dieser weichen Erklärung haben die Kerntechniker den Politikern keinen guten Dienst erwiesen.

Wer, wenn nicht sie, kann entscheiden, ob der Atomsperrvertrag und seine gegenwärtige Interpretation durch die Atommächte dem "Habenichts" Bundesrepublik schwere wirtschaftliche Schäden zufügt und die Forschung auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie in unzumutbarer Weise behindert? Ein klares Ja oder Nein der Fachleute zu dem Vertrag würde der Bundesregierung eine bedeutsame Entscheidungshilfe an die Hand gegeben haben. mh