Das Mißvergnügen der Gewerkschaften an der Konzertierten Aktion wächst; doch es gibt kein Zurück zum lohnpolitischen Freistilkampf

Die Konzertierte Aktion, eine der tragenden Säulen der New Economics Karl Schillers, ist in zunehmendem Maße gewerkschaftlichen Attacken ausgesetzt. Sie wird neben der Satzungsreform und der Mitbestimmung zu den zentralen Themen des DGB-Kongresses in der zweiten Maihälfte gehören.

Die Gewerkschaften sind mit der Schiller-Runde unzufrieden, weil, nach ihrer Meinung, der Lohn dabei den kürzeren gezogen hat. Die "soziale Symmetrie" sei ausgeblieben.

Der bisherige Verlauf der Konzertierten Aktion läßt das Unbehagen der Gewerkschaffen, nicht unbegründet erscheinen. Über das endgültige materielle Ergebnis dieses neuartigen Zusammenwirkens von Regierung und Sozialpartnern wird sich aber wohl erst nach Beendigung dieses Konjunkturzyklus Verläßliches sagen lassen.

Von größerem Gewicht sind die kritischen Äußerungen über Form und Inhalt der Veranstaltung. Auf jeden Fall, sind sie gravieren-– der als die Einwendungen, die seit einiger Zeit aus der neoliberalen Ecke vorgebracht werden.

Für Professor Biedenkopf (siehe S. 32), den profiliertesten Kritiker der Aktion außerhalb der Beteiligten, ist die Schiller-Runde unvereinbar mit marktwirtschaftlichen Ordnungsprinzipien. In einer Marktwirtschaft müsse sich die Regierung auf die Steuerung des Marktes von außen, durch wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen, beschränken. Durch institutionalisierte Gespräche zwischen der Regierung und den organisierten Gruppeninteressen. – mit dem Ziel, das Verhalten der Interessengruppen im Markt mit den Absichten der Regierung zu synchronisieren – würden außerparlamentarische Gruppen einen unzulässigen Einfluß auf politische Entscheidungen erhalten.

Diese Kritik geht an zwei entscheidenden Fakten vorbei.