Von Arno Reinfrank

Man frage nicht, warum: Ich gehe jedenfalls durch den Hofeingang in den Grand Palais, in dem die Pariser Bibliothèque Nationale untergebracht ist, sozusagen durch die Hintertür. Natürlich verirre ich mich.

"Wo bekomme ich Auskunft über den Nachlaß von Heinrich Heine?" erkundige ich mich bei einer älteren Dame.

"Ist er ein Orientale?" fragt sie zurück.

Ich richte den Blick zum Himmel um Hilfe für mein Französisch. Ich entdecke, daß über der Tür "Orientalistische Abteilung" steht und die Dame nur im Rahmen der ihr anvertrauten Literatur denken kann. Aber sie kommt mir schon Hilfe: "Ach, Sie meinen Henri Heine?"

Auf der Bronzetafel über dem Hauseingang der Rue Matignon steht auch "Henri Heine". Ob französischer Heine, ob deutscher Heine – ich suche das Neueste von meinem persönlichen Heine, dem freien Sohn des freien Rheins, wo auch meine Wiege stand. Der New Yorker "Aufbau" hatte die kleine Notiz über den Erwerb einer umfangreichen Nachlaßsammlung durch den französischen Staat veröffentlicht.

Die freundliche Bibliothekarin begleitet mich durch verschlungene Gänge in den Foliantenraum der Staatsbücherei, wo ich eine Karte ausfülle und sogleich in das Büro von Direktor Thomas gebracht werde.