Seiner klaren Warnung an die Adresse Pyongyangs, neue Angriffe auf amerikanische Nachrichtenschiffe und Aufklärungsflugzeuge würden künftig unverzüglich mit militärische Gegenschlägen beantwortet werden, hat Präsident Nixon unmißverständliche Taten folgen lassen: Im Japanischen Meer, Tor der 400 Kilometer langen Küste Nordkoreas, versammelt sich bei Wochenbeginn die größte US-Armada seit Ende des Korea-Krieges vor 16 Jahren.

Japanische Flugzeuge sichteten den Flugzeugträger „Hornet“ und sechs Begleitzerstörer der 7. US-Flotte. Außer dem Schlachtschiff’-Veteran „New Jersey“, bis vor kurzem vor der Küste Nordvietnams im Dienst, sollen noch zwei weitere Trägerschiffe Kurs auf das Japanische Meer genommen haben. Sie allein garantieren wirksamen Schutz für die „elektronischen Superfestungen“, die Fernaufklärer der Amerikaner.

Eine dieser viermotorigen Propellermaschinen vom Typ EC-121 „Super Constellation“ – mit 31 Mann Besatzung (zwei Schichten für den achtstündigen Einsatz) und sechs Tonnen modernster Horch- und Späh-Ausrüstung an Bord – war am Dienstag voriger Woche von zwei nordkoreanischen MiG-21-Jägern abgeschossen worden.

Richard Nixon, dem die erste „eigene“ Krise seiner ersten 100 Tage im Weißen Haus bevorzustehen schien, reagierte gelassen. Er bat die Sowjets um Mithilfe bei der Suche nach Überlebenden und Trümmern des Zwischenfalls. Die Marine- und Luftstreitkräfte im Pazifik wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Die Amerikaner übermittelten Nordkorea beim Treff Panmunjom einen geharnischten Protest.

Zuvor hatte zunächst ein sowjetischer Zerstörer Wrackteile, später ein US-Flugzeug zwei tote Besatzungsmitglieder des Nachrichtenflugzeuges aufgefischt. Danach muß die „fliegende Pueblo“ 120 Meilen außerhalb des nordkoreanischen Luftraumes abgeschossen worden sein. Nixon sagte am vorigen Sonnabend vor der Presse: Das Flugzeug war der Küste zu keinem Zeitpunkt seiner Mission näher als 40 Meilen. Die Flüge, von denen in den ersten drei Monaten des Jahres etwa 190 stattgefunden hatten, seien vorübergehend eingestellt, inzwischen aber wieder aufgenommen worden. Künftig würden die Flüge „geschützt“. Nixon: „Das ist keine Drohung, sondern eine einfache Feststellung von Tatsachen.“