Die Nachrichten aus dem belagerten Biafra verkünden Unheil: Nigerianische Soldaten stehen unmittelbar vor Umuahia. Wird die letzte provisorische Hauptstadt der Biafraner fallen? Wird der Kampf um den zusammengeschmolzenen Rest der Ostprovinz Nigerias, der nicht einmal mehr die Größe Schleswig-Holsteins hat, im Busch fortgesetzt?

Noch sind Biafras Pisten intakt. Allnächtlich landen auf ihnen Versorgungsflugzeuge – und nicht wenige von ihnen fliegen auch Waffen ein, wenngleich der Nachschub aus Frankreich spärlicher fließt. Nigerias Staatschef Gowon fühlt sich stark. Zu Konzessionen ist er nicht bereit. Seine Delegation, die in Monrovia an der Nigeria-Konferenz der Organisation der Staaten Afrikas teilnimmt, zeigt eine starre Haltung. Ein Nigeria ist ihre Parole. Sie verlangt von den Biafranern das Ende der Sezession. Louis Mbanefo, Biafras oberster Richter und Chef der biafranischen Delegation, schlug demgegenüber erneut vor, zuerst einen Waffenstillstand zu schließen. Er gehört zu denen, die auf einen Kompromiß mit Nigeria hinarbeiten, wobei er von einer politischen Eigenständigkeit der ehemaligen Ostregion ausgeht.

Die Zeit für einen Kompromiß scheint allerdings noch nicht reif zu sein. Solange die Großmächte weiter Waffen an die kriegführenden Brüder liefern, wird in Biafra der Gefechtslärm nicht verstummen, und die Not wächst. v. K.