Von Gisela Stelly

Was ist ein Eisberg?" fragt der Schulinspektor die Kinder. Antwort: "Vanilleeis, Schokoladeneis und Sahne." "Hm, nenne mir die fünf Erdteile!" Er zeigt auf einen Schüler, der sagt: "Sand, Steine, Wasser, Kalk und Würmer." Und schließlich: "Wie lange hat der Siebenjährige Krieg gedauert?" "Hundert Jahre", "Dreizehn Jahre", "Zwei Jahre", "Achtzig Jahre...". "Sie, hör’n Sie mal!"" empört sich der Klassenlehrer gegen den prüfenden Schulinspektor, "das ist doch viel zu schwierig für die Kleinen!"

Diese Szene nicht in dem neuen deutschen Schüler- und Schulfilm, "Ich bin ein Elefant, Madame", zu sehen. Auch ist sie keine Sprachentspannungsübung wider das Leistungsdenken; vielmehr sitzen hier Tick, Trick und Track in Donald Ducks Meisterschule.

Donald Duck und seine Neffen Tick, Trick und Track sind Walt Disneys Schöpfungen – wie Mickey Mouse. Donald Duck (anpassungsfähig, träumt vom Aufstieg und ist bei jeder Kletterpartie der Gelackmeierte) bildet mit seinen drei Neffen eine Feindstellung gegen Multimilliardär Dagobert, Donalds geizigen, geldfressenden, stets um sein Kapital bangenden, es aber stetig vermehrenden Bruder. Es ist ein Handlungsmuster, das sich schon in jahrelangen Fortsetzungen bewährt hat und auch in der Bundesrepublik in hunderttausendfacher Auflage verkauft wird.

Im neuesten Donald-Duck-Heft ("Donald in 1000 Nöten") scheinen die Geschichtenfertiger vom Lernprozeß gelernt zu haben (die Werbeleute greifen schon seit einiger Zeit in die Revolutipnskiste): Die bundesrepublikanische Schüleraufmüpfigkeit ist in die Entenschule von Entenhausen eingezogen. Dabei haben die Striptexter die utopische Perspektive insoweit beherzigt, als sie schon die Schüler der 1. Klasse ideologisch sattelfest agieren lassen.

Donald, vielgeplagtes Stehaufmännchen, wird auch diesmal wieder von seinem Bruder Dagobert für kapitalistische Ränke benutzt. Er ist in Entenhausen von Dagobert zum Pädagogen von Dagoberts Gnaden bestellt worden (aus undurchsichtigen Gründen findet sich kein Lehrer, der hier unterrichten will), damit das Schulhaus, das einer neuen Eisenbahnlinie weichen sollte, nicht abgerissen werden kann. Dagobert, der eher den Staat verkaufen, denn die Eisenbahn durch sein Entenhausen dampfen lassen will, findet die Lücke im Gesetz: Wenn in einer Schule Schüler unterrichtet werden, kann der Staat das Gebäude nicht abreißen. Also opfert sich Donald den höheren Zielen seines kapitalen Bruders, und in Entenhausen beginnt ein Schultag mit Schülerlektionen in antiautoritärem Verhalten.

Im Klassenzimmer hängt der wohlbekannte Weisheitsspruch – allerdings abgewandelt – "Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir", und will Lehrer Donald die beliebten Saubermach- und Putzarbeiten für Schüler