Von Michael Jungblut

Mister Craver zog alle Register seiner Beredsamkeit. Er wies so eindringlich wie möglich auf die Gefahr hin, daß "alte Animositäten gegen den US-Dollar-Imperialismus wieder wach werden". Auch sonst schwante ihm Böses. So warnte er vor einer schweren Belastung des deutschamerikanischen Verhältnisses und vor einer nachhaltigen Verschlechterung der Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern.

Angesichts, solch trüber Aussichten fand es Mister Craver nicht unbillig, die amerikanische Botschaft in Bonn zu bemühen. Dort sagte man ihm auch prompt "jede nur denkbare Hilfe" bei der Abwehr solcher Übel zu.

Theodore Craver ist Anwalt des amerikanischen Mischkonzerns "Litton Industries" und tat sein Bestes, um seinem Klienten ein Verfahren vor der US-Wettbewerbsbehörde, der Federal Trade Commission (FTC) zu ersparen – bisher vergeblich. Selbst mehrfache Interventionen des amerikanischen Außenministeriums verfehlten ihre Wirkung.

Den Wettbewerbshütern der USA mißfällt die jüngste Tochter des Litton-Konzerns so sehr, daß sie von einem öffentlichen Verfahren nicht absehen mochten. Angesichts des wachsenden Mißtrauens, mit dem die zuständigen US-Behörden seit geraumer Zeit die Konzentrationswelle in den USA beobachten, ist das an sich nicht weiter erstaunlich. Mißbehagen bereitet den amerikanischen Diplomaten in Bonn und Washington nur, daß es sich im Fall Litton nicht um den Erwerb eines amerikanischen Unternehmens, sondern um die Übernahme der deutschen Schreibmaschinenfabriken Triumpf und Adler handelt.

Litton hat die beiden Unternehmen Anfang des Jahres für 204 Millionen Mark von dem Rundfunkfabrikanten Max Grundig erworben – ein Handel, gegen den nach deutschem Recht keinerlei Einwände erhoben werden können. Überdies greift die Federal Trade Commission mit ihrem Verlangen, Litton solle diese Betriebe wieder veräußern, recht massiv in das Schicksal zweier ausländischer Unternehmen ein. Den 8000 Beschäftigten und rund 3500 Minderheitsaktionären in der Bundesrepublik kann es keineswegs gleichgültig sein, in wessen Hände ihr Unternehmen nach einem solchen Zwangsverkauf gerät.

Das Mißfallen der FTC erweckte der Erwerb von Triumph-Adler durch Litton, weil der Konzern nach der Übernahme der "Monroe Calculating Machines Co." 1958 und der "Royal McBee" 1964 mit einem Marktanteil von 40 Prozent in den USA die Spitzenposition in der Produktion mechanischer Schreibmaschinen einnimmt. Die beiden deutschen Hersteller erzielten nach Angaben von Litton im vergangenen Jahr jenseits des Atlantiks einen Umsatz von 7,5 Millionen Dollar. Das entspricht einem Marktanteil von bescheidenen 2,5 Prozent.