Nach einer EMNID-Erhebung fuhren 1965 mehr als die Hälfte aller westdeutschen Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren in Urlaub; 1966 und 1967 dürften es eher mehr denn weniger gewesen sein – und wenn man den optimistischen Auskünften der Reiseveranstalter glauben darf, dann werden die Zahlen der letzten Jahre vom Boom des Jahres 1968 noch weit übertroffen. Laut Statistischem Bundesamt gibt es rund acht Millionen junge Leute in der fraglichen Altersgruppe. Sie sind ein beachtlicher Faktor des Tourismus geworden. Für Pädagogen, Psychologen und Soziologen wurde der Jugendtourismus deshalb zu einem beliebten Arbeitsfeld. Einen neuen Aspekt des Jugendreisens stellt die Veröffentlichung von

Hermann Giesecke, Annelie Keil und Udo Perle: "Pädagogik des Jugendreisens", herausgegeben vom Studienkreis für Tourismus; Juventa-Verlag, München; 216 Seiten, 10,80 DM.

zur Diskussion. In einer Analyse verschiedener Freizeittheorien wird, der Urlaub als ein "Lernfeld" für den jungen Reisenden gesehen, der ihm "Lebenstechnik" und "Wirklichkeitserfahrung" vermitteln kann. Zu den erlernbaren touristischen Techniken zählen die Verfasser die Fähigkeit zur richtigen Auswahl unter verschiedenen Reiseangeboten, die Fähigkeit zur selbständigen finanziellen Kalkulation, zur gezielten und ökonomischen Benutzung von Dienstleistungen und schließlich die Fähigkeit zur optimalen Absicherung bei risikovollen Unternehmungen (Bergsteigen, Tauchen, Trampen). Nur wer diese Techniken beherrsche – so meinen die Verfasser –, bringe die Voraussetzungen für das zweite touristische Lernfeld, die Wirklichkeitserfahrung, mit. Sie bestehe in "Selbsterfahrung", "Sozialerfahrung" und aus einem neuen Bewußtsein über bestimmte "Sachverhalte". Die Verfasser finden vieles, was sich heute unter dem Begriff "pädagogisch" oder "jugendpflegerisch" auf Reisen begibt, gar nicht lobenswert. Ihrer Kritik fügen sie Vorschläge für die Reiseleiterausbildung, für die Reiseveranstalter, für die öffentlichen Subventionen und für weitere pädagogische Experimente an.

Mit einem Ausschnitt des großen Bereiches Jugendreisen beschäftigt sich eine Broschüre von

Georg Beez: "Jugend und Jugendherberge". Über die Einstellung der Jugend zu Jugendherbergen; Juventa-Verlag, München; 136 Seiten, 7,80 DM.

Daß es Auseinandersetzungen über Ausstattung, Hausordnung und Leitungsstil der Herbergseltern gibt, ist bekannt. Neu dagegen sind die Darstellungen über die Zusammensetzung und die Zahl der Gästegruppen in den Herbergen. In den letzten zehn Jahren ging der Anteil der Einzelreisenden bis zu 20 Jahren in den Jugendherbergen um 50 Prozent zurück. 1958 waren es noch rund 400 000, 1967 nur noch 208 000 (zehn Prozent). Fast 40 Prozent der Herbergsgäste stellen Schulklassen; 33 Prozent sind Tagungs- und Freizeitteilnehmer; zehn Prozent der Betten belegen Wandergruppen und sieben Prozent Familien und Erwachsene über 20 Jahre. Das Image, das die Jugendherbergen in der Öffentlichkeit als die Raststätten der wandernden Jugend haben, stimmt mit der Wirklichkeit nicht mehr überein. F. R.